Carpe diem
1624Ich empfinde fast ein Grauen, dass ich, Plato, für und für bin gesessen über dir. Es ist Zeit hinauszuschauen und sich bei den frischen Quellen in dem Grünen zu ergehn. wo die schönen Blumen stehn und die Fischer Netze stellen!
Wozu dienet das Studieren als zu lauter Ungemach! Unterdessen läuft die Bach unsers Lebens, das wir führen, ehe wir es inne werden, auf ihr letztes Ende hin: dann kömmt ohne Geist und Sinn dieses alles in die Erden.
Holla, Junger, geh und frage, wo der beste Trunk mag sein, nimm den Krug und fülle Wein! Alles Trauren, Leid und Klage, wie wir Menschen täglich haben, eh uns Clotho fortgerafft, will ich in den süssen Saft, den die Traube gibt, vergraben.
Kaufe gleichfalls auch Melonen und vergiss des Zuckers nicht, schaue nur, dass nichts gebricht! Jener mag der Heller schonen, der bei seinem Gold und Schätzen tolle sich zu kränken pflegt und nicht satt zu Bette legt; ich will, weil ich kann, mich letzen!
Bitte meine guten Brüder auf die Musik und ein Glas! Kein Ding schickt sich, dünkt mich, bass als gut Trank und gute Lieder. Lass ich gleich nicht viel zu erben, ei, so hab ich edlen Wein! Will mit andern lustig sein, muss ich gleich alleine sterben.
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Interpretation
Das Gedicht "Carpe diem" von Martin Opitz ist eine lebendige Aufforderung, den Augenblick zu genießen und das Leben in vollen Zügen zu leben. Opitz beginnt mit einem Gefühl der Überdrüssigkeit gegenüber dem Studium, insbesondere gegenüber den Werken Platons, und sehnt sich nach der Natur und ihren frischen Quellen. Er betont die Vergänglichkeit des Lebens und die Nutzlosigkeit des ständigen Lernens, das oft zu Unglück führt. Das Leben fließt unaufhaltsam auf sein Ende zu, und alles Irdische wird schließlich in der Erde enden. Opitz ruft dazu auf, das Leben zu feiern und die Freuden des Augenblicks zu genießen. Er ermutigt dazu, nach dem besten Trank zu suchen, Wein zu trinken und die Sorgen des Alltags zu vergessen. Die Trauer, das Leid und die Klage sollen im süßen Saft der Traube begraben werden. Er rät auch dazu, Melonen zu kaufen und den Zucker nicht zu vergessen, um das Leben in vollen Zügen zu genießen. Opitz stellt den Genuss dem Geiz gegenüber und betont, dass er, solange er kann, das Leben genießen möchte. Schließlich lädt Opitz seine Freunde ein, Musik zu hören und ein Glas Wein zu trinken. Er glaubt, dass nichts Besseres geeignet ist als guter Trank und gute Lieder. Obwohl er vielleicht nicht viel zu erben hat, hat er edlen Wein und möchte fröhlich mit anderen sein. Er akzeptiert, dass er allein sterben muss, aber bis dahin will er das Leben in vollen Zügen genießen und jeden Moment auskosten.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
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