Carpe diem!
Der Zukunft pocht dein Herz entgegen
Mit jedem Pulsschlag, jedem Hauch?
Gemach! ob Fluch ihr Theil, ob Segen
Weißt du es auch?
Weißt du, ob, wenn sie einst gekommen,
Die ferne Zeit, die du erkürst
Du nach dem Heute nicht, bekommen,
Dich sehnen wirst?
So lange dieser dunkeln Frage
Nicht Antwort wurde, voll und ächt,
Leb′ in dem Heut, und laß′ dem Tage
Sein gutes Recht.
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Carpe diem!“ von Betty Paoli ist eine Reflexion über die menschliche Neigung, sich nach der Zukunft zu sehnen, und eine Mahnung, die Gegenwart zu schätzen. Das Gedicht beginnt mit einer rhetorischen Frage, die sich an den Leser richtet: „Der Zukunft pocht dein Herz entgegen / Mit jedem Pulsschlag, jedem Hauch?“ Diese Zeilen etablieren sofort das Thema der Zukunftsbesessenheit und deuten auf die Ungeduld hin, die oft mit dem Warten auf kommende Ereignisse einhergeht. Die Autorin stellt die Sinnhaftigkeit dieses Strebens in Frage, indem sie die Ungewissheit der Zukunft betont: „Gemach! ob Fluch ihr Theil, ob Segen / Weißt du es auch?“
Der zweite Teil des Gedichts vertieft sich in diese Ungewissheit, indem er die Frage nach dem Bedauern aufwirft. „Weißt du, ob, wenn sie einst gekommen, / Die ferne Zeit, die du erkürst / Du nach dem Heute nicht, bekommen, / Dich sehnen wirst?“ Hier wird die Möglichkeit angedeutet, dass die Erwartungen an die Zukunft möglicherweise nicht erfüllt werden und dass man sich in der Zukunft nach der Gegenwart zurücksehnen könnte. Diese Zeilen enthalten die Kernaussage des Gedichts: die Vergänglichkeit des Lebens und die Wertschätzung des gegenwärtigen Moments.
Der abschließende Teil des Gedichts bietet eine klare Handlungsaufforderung. „So lange dieser dunkeln Frage / Nicht Antwort wurde, voll und ächt, / Leb′ in dem Heut, und laß′ dem Tage / Sein gutes Recht.“ Paoli plädiert dafür, im Hier und Jetzt zu leben, solange die Zukunft unvorhersehbar bleibt. Die Metapher der „dunklen Frage“ unterstreicht die Ungewissheit der Zukunft, während die Aufforderung, im „Heut“ zu leben, als eine Art von Weisheit und Akzeptanz dargestellt wird. Der letzte Vers, „Laß‘ dem Tage / Sein gutes Recht“, ist eine klare Anweisung, die Gegenwart zu genießen und ihren Wert anzuerkennen.
Insgesamt ist „Carpe diem!“ ein lyrisches Gedicht, das die menschliche Natur kritisch beleuchtet und eine zeitlose Botschaft der Achtsamkeit und der Wertschätzung des gegenwärtigen Moments vermittelt. Es dient als eine Erinnerung daran, die Gegenwart zu ergreifen und die Unbekannten der Zukunft nicht in den Vordergrund zu stellen. Die einfache Sprache und die klaren Reime machen die Botschaft des Gedichts zugänglich und einprägsam.
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Lizenz und Verwendung
Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.