Carneval

Wilhelm Friedrich Waiblinger

1804

Wie, du wunderst dich, Freund, wie so urplötzlich ein Volk sich Wochenlang wie toll, närrisch und albern beträgt? O mein Theurer, du irrest dich sehr, schilt keinen, der heut sich Auf dem Corso herum wie ein Besessener treibt, So erscheint mir am wahrsten der Mensch, dies Carneval steht ihm, Aber das Schlimmere folgt, wenn er kein Mäskchen mehr hat.

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Illustration zu Carneval

Interpretation

Das Gedicht "Carneval" von Wilhelm Friedrich Waiblinger beschäftigt sich mit der menschlichen Natur und dem Verhalten während des Karnevals. Der Sprecher erklärt einem Freund, dass es nicht verwunderlich ist, dass die Menschen sich während dieser Zeit so verrückt und albern verhalten. Er betont, dass der Karneval dem Menschen am wahrsten entspricht und dass das eigentliche Problem erst dann kommt, wenn man keine Maske mehr trägt. Das Gedicht legt nahe, dass der Karneval eine Zeit ist, in der die Menschen ihre wahre Natur zeigen können, ohne dafür verurteilt zu werden. Die Maske, die während des Karnevals getragen wird, ermöglicht es den Menschen, sich frei auszudrücken und ihre verborgenen Wünsche und Triebe auszuleben. Es ist eine Zeit des Ausbruchs aus den gesellschaftlichen Normen und Zwängen. Allerdings deutet das Gedicht auch darauf hin, dass das Verhalten während des Karnevals nur vorübergehend ist und dass die Menschen danach wieder in ihre gewohnten Rollen zurückkehren. Die letzte Zeile des Gedichts, "wenn er kein Mäskchen mehr hat", lässt darauf schließen, dass das eigentliche Problem erst dann auftritt, wenn die Maske abgenommen wird und die Menschen wieder in ihre alltäglichen Rollen zurückkehren müssen. Es wird impliziert, dass das Verhalten während des Karnevals eine Flucht vor den Zwängen des Alltags ist und dass die Menschen Schwierigkeiten haben könnten, sich danach wieder anzupassen.

Schlüsselwörter

wunderst freund urplötzlich volk wochenlang toll närrisch albern

Wortwolke

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Stilmittel

Hyperbel
Wochenlang wie toll, närrisch und albern beträgt
Ironie
So erscheint mir am wahrsten der Mensch, dies Carneval steht ihm
Metapher
Ein Volk sich Wochenlang wie toll, närrisch und albern beträgt
Personifikation
wie ein Besessener treibt
Vorahnung
Aber das Schlimmere folgt, wenn er kein Mäskchen mehr hat