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Capitol

Von

Berg der Götter und Helden, Triumphatoren und Sieger,
Welche Gedanken du mir, welche Erinn′rungen weckst!
Denk′ ich der Scipionen und all′ der alten Heroen,
Wie der Feldherr, das Heer dich im Triumphe betrat!
Wie der Lorbeerbekrönte dem capitolinischen Herrscher
Für den verliehenen Sieg dankbar ein Opfer gebracht!
Stolz, wie du bist, verleugnest du auch in heutigen Tagen
Noch den gebietrischen Geist, noch den gewaltigen nicht.
Heute noch fährt im prunkenden Zug der röm′sche Senator
Just vor dem Carneval in der Perücke herab.

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: Capitol von Wilhelm Friedrich Waiblinger

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Capitol“ von Wilhelm Friedrich Waiblinger ist eine Hommage an den gleichnamigen Hügel in Rom und ein Sinnbild für die glorreiche Vergangenheit und die verbleibende Macht der Stadt. Es beginnt mit einer direkten Ansprache an den Berg, der als Ort der Götter, Helden, Triumphatoren und Sieger charakterisiert wird. Der Dichter lässt die Größe und Bedeutung des Capitols auf sich wirken, indem er von den Erinnerungen und Gedanken spricht, die es in ihm weckt. Der Fokus liegt auf den historischen Figuren und Ereignissen, die mit diesem Ort verbunden sind, insbesondere auf den römischen Feldherren und ihren Triumphzügen.

Im zweiten Teil des Gedichts werden konkrete historische Szenen heraufbeschworen, insbesondere die Triumphpfade der Scipionen und anderer Helden. Das Bild des Feldherrn, der mit seinem Heer den Berg im Triumph betritt, ist von großer visueller Kraft und symbolisiert den Höhepunkt der militärischen und politischen Macht Roms. Die anschließende Erwähnung der Lorbeerbekränzten und des Dankopfers an den Herrscher verdeutlicht die religiöse und zeremonielle Bedeutung des Capitols. Waiblinger nutzt diese Bilder, um die Pracht und den Stolz der römischen Antike lebendig werden zu lassen.

Trotz des Bezugs zur Vergangenheit wird die Gegenwart nicht ausgeblendet. Waiblinger stellt fest, dass der Berg auch in der heutigen Zeit seinen „gebietrischen Geist“ und seine „gewaltige“ Ausstrahlung bewahrt hat. Die Erwähnung des prunkenden Zugs des römischen Senators, der „Just vor dem Carneval“ mit Perücke herabfährt, deutet auf eine Kontinuität der Macht und des Prunks hin. Dieser Übergang von der Vergangenheit zur Gegenwart zeigt, dass das Capitol mehr als nur ein historischer Ort ist – es ist ein lebendiger Zeuge der römischen Identität, die durch die Jahrhunderte hinweg erhalten geblieben ist.

Die Sprache des Gedichts ist feierlich und erhaben, passend zum Thema. Der Einsatz von rhetorischen Fragen und direkten Ansprachen verstärkt die emotionale Wirkung und zieht den Leser in die Welt des Capitols hinein. Die Verwendung von Substantiven wie „Götter“, „Helden“, „Triumphatoren“ und „Sieger“ erzeugt ein Gefühl von Größe und Ehrfurcht. Waiblingers Gedicht ist somit nicht nur eine Beschreibung des Capitols, sondern eine Hommage an die Geschichte, die Macht und den anhaltenden Geist Roms. Es feiert die Erinnerung an die Vergangenheit und die andauernde Präsenz dieses Ortes als Symbol für Größe und Beständigkeit.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.