Capitol

Wilhelm Friedrich Waiblinger

1804

Berg der Götter und Helden, Triumphatoren und Sieger, Welche Gedanken du mir, welche Erinn′rungen weckst! Denk′ ich der Scipionen und all′ der alten Heroen, Wie der Feldherr, das Heer dich im Triumphe betrat! Wie der Lorbeerbekrönte dem capitolinischen Herrscher Für den verliehenen Sieg dankbar ein Opfer gebracht! Stolz, wie du bist, verleugnest du auch in heutigen Tagen Noch den gebietrischen Geist, noch den gewaltigen nicht. Heute noch fährt im prunkenden Zug der röm′sche Senator Just vor dem Carneval in der Perücke herab.

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Illustration zu Capitol

Interpretation

Das Gedicht *Capitol* von Wilhelm Friedrich Waiblinger thematisiert die historische und symbolische Bedeutung des Kapitols als Ort der Macht und des Triumphs. Der Sprecher reflektiert über die glorreichen Zeiten der Antike, als Feldherren wie die Scipionen und andere Helden den Hügel im Triumphzug betraten, um ihren Siegen zu gedenken und den Göttern zu opfern. Die Erinnerungen an diese epischen Momente wecken ein Gefühl von Ehrfurcht und Bewunderung für die Vergangenheit, die als Zeit großer Heldentaten und militärischer Erfolge dargestellt wird. Der zweite Teil des Gedichts setzt sich mit der Gegenwart auseinander, wobei der Sprecher feststellt, dass der Geist der Herrschaft und des Stolzes, der den Kapitol einst auszeichnete, auch heute noch präsent ist. Dies wird durch die Beschreibung des römischen Senators verdeutlicht, der in einem prunkvollen Zug, gekrönt von einer Perücke, vor dem Karneval herabfährt. Der Kontrast zwischen der antiken Größe und der modernen Zurschaustellung von Macht und Reichtum unterstreicht die Kontinuität des Kapitols als Symbol der Autorität und des Einflusses über die Jahrhunderte hinweg. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine ambivalente Haltung gegenüber der Geschichte und der Gegenwart. Einerseits wird die Vergangenheit idealisiert und als Zeit des Heldentums und der Ehre gefeiert, andererseits wird die heutige Pracht als Fortsetzung des alten Geistes der Herrschaft interpretiert. Waiblinger nutzt die Bildsprache und den historischen Kontext, um die zeitlose Bedeutung des Kapitols als Ort der Macht und des Triumphs zu betonen, während er gleichzeitig die Veränderungen in der Art und Weise, wie diese Macht zur Schau gestellt wird, anerkennt.

Schlüsselwörter

berg götter helden triumphatoren sieger gedanken erinn rungen

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Wie der Lorbeerbekrönte dem capitolinischen Herrscher
Anapher
Welche Gedanken du mir, welche Erinn′rungen weckst!
Apostrophe
Berg der Götter und Helden, Triumphatoren und Sieger
Kontrast
Heute noch fährt im prunkenden Zug der röm′sche Senator Just vor dem Carneval in der Perücke herab
Personifikation
Stolz, wie du bist, verleugnest du auch in heutigen Tagen