Canova (6)
1893Wär′ es gewiß, und hättest du nur dem entzückenden Leibe Seine Gewänder verlieh′n, weil dir die Schaam es gebot, Dann verehrt ich sie fast als Höchstes, doch leider befürcht′ ich, Daß du die Lust nur nach dem, was sie verbergen, erzielst.
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Interpretation
Das Gedicht "Canova (6)" von Wilhelm Friedrich Waiblinger ist eine Auseinandersetzung mit der Frage nach der wahren Schönheit und dem Wesen der Lust. Der Sprecher reflektiert über die Rolle der Kleidung und der Scham in Bezug auf den menschlichen Körper. In den ersten beiden Versen wird eine hypothetische Situation beschrieben, in der der Betrachter dem "entzückenden Leibe" seine Gewänder nur aus Scham verliehen hat. Der Sprecher gibt zu, dass er in diesem Fall fast das Höchste an der Person verehren würde. Dies deutet darauf hin, dass die äußere Erscheinung und die Anmut des Körpers an sich schon bewundernswert sind. Jedoch äußert der Sprecher in den letzten beiden Versen seine Befürchtung, dass die Lust, die der Betrachter empfindet, nur auf das gerichtet ist, was die Kleidung verdeckt. Dies impliziert, dass die wahre Schönheit und der Reiz nicht im Offenbaren, sondern im Verborgenen liegen. Der Sprecher scheint zu suggerieren, dass die Lust des Betrachters oberflächlich und nicht auf die ganze Person gerichtet ist. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine kritische Sicht auf die menschliche Lust und die Rolle der Scham. Es hinterfragt, ob die wahre Schönheit im Offenbaren oder im Verborgenen liegt und ob die Lust des Betrachters auf die ganze Person oder nur auf bestimmte Aspekte gerichtet ist. Das Gedicht regt zum Nachdenken über die Natur der Schönheit und der menschlichen Begierde an.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Ironie
- Dann verehrt ich sie fast als Höchstes, doch leider befürcht′ ich
- Kontrast
- Wär′ es gewiß, und hättest du nur dem entzückenden Leibe Seine Gewänder verlieh′n, weil dir die Schaam es gebot, Dann verehrt ich sie fast als Höchstes, doch leider befürcht′ ich, Daß du die Lust nur nach dem, was sie verbergen, erzielst.
- Metapher
- entzückenden Leibe
- Rhetorische Frage
- Wär′ es gewiß, und hättest du nur dem entzückenden Leibe Seine Gewänder verlieh′n, weil dir die Schaam es gebot