Du bist reizend und üppig, ich leugn′ es dir nicht, und die Sinne
Fühlen es, schwach ist das Fleisch, ist er auch willig der Geist.
Aber ich sorge denn doch, es ist kein uranischer Nektar,
Ist nichts Göttliches, was du auf der Schale mir beutst.
Canova (5)
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Canova (5)“ von Wilhelm Friedrich Waiblinger ist eine Reflexion über die sinnliche Anziehungskraft und die Grenzen der irdischen Freuden. Es offenbart einen inneren Konflikt, der durch die ambivalente Haltung des Sprechers gegenüber der Schönheit und Üppigkeit, die er wahrnimmt, zum Ausdruck gebracht wird. Der Dichter ringt mit der Frage, ob das, was er als reizvoll und anziehend empfindet, von dauerhaftem Wert oder gar göttlicher Natur ist, oder ob es lediglich eine vorübergehende, vergängliche Erfahrung darstellt.
Der erste Vers etabliert die starke Anziehungskraft, die von der „reizenden und üppigen“ Erscheinung ausgeht. Der Sprecher räumt ein, dass er von dieser Schönheit angezogen wird, und dass seine „Sinne“ diese Anziehungskraft deutlich spüren. Der Vers „schwach ist das Fleisch, ist er auch willig der Geist“ verdeutlicht den Konflikt zwischen der körperlichen Begierde und dem bewussten Widerstand, der vom Geist ausgeht. Hier wird ein klassischer Gegensatz thematisiert: die Schwäche des Körpers, der den Reizen erliegt, im Gegensatz zum geistigen Bestreben nach mehr.
Der zweite Teil des Gedichts, eingeleitet durch das „Aber“, enthüllt die Bedenken und die Skepsis des Sprechers. Er befürchtet, dass die angebotene Schönheit und Üppigkeit nicht von göttlicher Qualität ist, sondern lediglich eine irdische Verlockung darstellt. Der Begriff „uranischer Nektar“ evoziert Assoziationen mit den Göttern, mit Unsterblichkeit und Transzendenz. Die Ablehnung des Nektars, der „auf der Schale“ angeboten wird, deutet darauf hin, dass der Sprecher nach etwas Höherem strebt, nach etwas, das mehr ist als nur die flüchtige Befriedigung der Sinne.
Waiblingers Gedicht ist somit eine Auseinandersetzung mit der Frage nach dem Wert von Schönheit und Sinnlichkeit, und nach der Suche nach dem Göttlichen. Es ist ein Ausdruck des Zwiespalts zwischen der körperlichen Anziehungskraft und dem geistigen Verlangen nach einer höheren, beständigeren Existenz. Das Gedicht reflektiert die Suche nach Sinn und Erfüllung, wobei die Vergänglichkeit der irdischen Freuden und die Sehnsucht nach etwas Ewigerem in den Vordergrund treten.
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