Traurige Zeit, es ist wahr, die griechische Kunst war dem Leben
Nah′, und es borgte der Gott sich von dem Menschen die Form.
Aber vorüber ist′s nun, Canova′s Götter, sie lernten
Nur die Tanzkunst der Zeit, die Toilette nur ab.
Canova (4)
Mehr zu diesem Gedicht
Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Canova (4)“ von Wilhelm Friedrich Waiblinger, ist eine kurze, elegische Betrachtung über den Niedergang der Kunst und den Verlust ihrer Verbindung zum Leben, dargestellt durch die veränderte Ästhetik der Werke des Bildhauers Antonio Canova. Es handelt sich um eine kritische Auseinandersetzung mit der Kunst seiner Zeit, die sich von den Idealen der Antike entfernt hat.
Waiblinger beginnt mit der Klage über die „traurige Zeit“, in der die Kunst nicht mehr die Nähe zum Leben besitzt, wie sie es in der griechischen Antike tat, wo die Götter die menschliche Form annahmen. Dieser Vergleich setzt einen Kontrast zwischen der Vergangenheit, die von Harmonie und Nähe zur Natur geprägt war, und der Gegenwart, in der die Kunst eine entfremdete Existenz führt. Das Gedicht suggeriert, dass die Kunst in ihrer Entwicklung einen entscheidenden Fehler begangen hat, indem sie sich von ihren ursprünglichen Quellen entfernt hat.
Der zweite Teil des Gedichts konzentriert sich auf Canova’s Kunst, die als Beispiel für diese Entwicklung dient. Die „Götter“ Canovas haben, so Waiblinger, „nur die Tanzkunst der Zeit“ gelernt und sich lediglich mit der „Toilette“ beschäftigt. Diese Metaphern deuten auf eine Oberflächlichkeit und einen Verlust an Tiefe hin, die in Canovas Kunst zu finden sind. Die Betonung der „Tanzkunst“ und der „Toilette“ deutet auf eine Konzentration auf Äußerlichkeiten und Modeerscheinungen, während die innere Bedeutung und die tieferen menschlichen Erfahrungen vernachlässigt werden.
Waiblinger kritisiert hier eine Kunst, die sich vom Kern des menschlichen Erlebens entfernt hat und sich stattdessen den flüchtigen Trends und Oberflächlichkeiten der Zeit anpasst. Es ist eine Kritik an der Verflachung und Kommerzialisierung der Kunst, die ihre ursprüngliche Bedeutung und ihren Bezug zur menschlichen Existenz verloren hat. Das Gedicht ist somit ein Plädoyer für eine Kunst, die authentisch, sinnlich und tiefgründig ist und das Wesen des menschlichen Lebens widerspiegelt, anstatt sich in bloßen Äußerlichkeiten zu erschöpfen.
Weitere Informationen
Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.
Lizenz und Verwendung
Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.
