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Canova (3)

Von

Diese Vermählung erkanntest du nicht: dir genügte die Weichheit,
Und der weibliche Theil ohne den schöpfrischen Bund.
Darum wirkst du auch nur mit dem Reiz, dem entartenden, selten
Näherst dem weisen Maaß ruhiger Schönheit du dich.

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Gedicht: Canova (3) von Wilhelm Friedrich Waiblinger

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Canova (3)“ von Wilhelm Friedrich Waiblinger ist eine kritische Auseinandersetzung mit dem Bildhauer Antonio Canova und dessen Kunst. Die ersten beiden Verse deuten an, dass Canova die wahre Vereinigung, die Vermählung, nicht erkannt hat. Diese „Vermählung“ wird nicht explizit definiert, deutet aber auf eine tiefere, komplexere Verbindung hin, die in der Kunst, insbesondere in der idealisierten Darstellung des menschlichen Körpers, gefunden werden könnte. Stattdessen begnügte sich Canova mit der „Weichheit“, was impliziert, dass seine Werke zwar zart und lieblich, aber ohne die tieferen, schöpferischen Elemente sind. Der „weibliche Theil ohne den schöpfrischen Bund“ deutet auf eine mangelnde Tiefe in seinen Darstellungen, möglicherweise eine Beschränkung auf die bloße Oberfläche des Weiblichen, ohne die zugrunde liegende kreative Kraft.

Die Kritik setzt sich im dritten Vers fort, der besagt, dass Canova „auch nur mit dem Reiz, dem entartenden, selten“ wirkt. Hier wird der Reiz, der in seinen Werken vorhanden ist, als „entartend“ bezeichnet. Dies ist eine starke Aussage, die darauf hindeutet, dass Canovas Kunst zwar ästhetisch ansprechend sein mag, aber gleichzeitig etwas Falsches oder Abgeleitetes an sich hat. Der Begriff „entartend“ deutet auf eine Abweichung vom Ideal, eine Verschlechterung oder eine mangelnde Ursprünglichkeit hin. Dies könnte sich auf die fehlende Tiefe, die mangelnde Auseinandersetzung mit den tieferen menschlichen Erfahrungen oder die übermäßige Betonung der äußeren Schönheit beziehen.

Der abschließende Vers, „Näherst dem weisen Maaß ruhiger Schönheit du dich“, verstärkt die Kritik. Waiblinger wirft Canova vor, sich dem „weisen Maaß ruhiger Schönheit“ nur selten anzunähern. Diese Zeile deutet auf ein Ideal hin, eine Form von Schönheit, die nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich ausgewogen und weise ist. Canovas Kunst wird somit als mangelhaft bewertet, da sie dieses Ideal der vollkommenen Schönheit nicht erreicht. Es impliziert eine Kritik an der Oberflächlichkeit und dem Fehlen von Tiefe in Canovas Werk.

Insgesamt ist das Gedicht eine Kritik an Canovas Kunst, insbesondere an dem, was Waiblinger als mangelnde Tiefe, Originalität und Auseinandersetzung mit den wesentlichen Aspekten des menschlichen Daseins ansieht. Waiblinger bemängelt die Oberflächlichkeit und die Beschränkung auf den ästhetischen Reiz, ohne die tieferen, schöpferischen und weisen Aspekte der Schönheit zu erfassen. Die kurze Form des Gedichts verstärkt die Prägnanz der Kritik und unterstreicht die Dringlichkeit der Botschaft.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

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