Canova (3)

Wilhelm Friedrich Waiblinger

1804

Diese Vermählung erkanntest du nicht: dir genügte die Weichheit, Und der weibliche Theil ohne den schöpfrischen Bund. Darum wirkst du auch nur mit dem Reiz, dem entartenden, selten Näherst dem weisen Maaß ruhiger Schönheit du dich.

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Illustration zu Canova (3)

Interpretation

Das Gedicht "Canova (3)" von Wilhelm Friedrich Waiblinger kritisiert die künstlerische Herangehensweise des Bildhauers Antonio Canova. Es wirft ihm vor, sich ausschließlich auf die äußere Weichheit und den weiblichen Teil der menschlichen Form zu konzentrieren, ohne das kreative Potenzial einer vollkommenen Verbindung der Geschlechter zu erkennen. Der Dichter deutet an, dass Canova nur mit oberflächlichem Reiz arbeitet, der eher zur Verderbnis als zur Erhebung der Kunst beiträgt. Waiblinger bemängelt, dass Canovas Werk sich nur selten dem Ideal einer ausgewogenen und ruhigen Schönheit nähert. Die Kritik richtet sich gegen eine Kunst, die den sinnlichen Reiz über die harmonische Vollkommenheit stellt. Das Gedicht legt nahe, dass Canovas Skulpturen die tiefere Weisheit und das wahre Maß an Schönheit vermissen lassen, das durch eine ausgewogene Verbindung der Geschlechter entstehen könnte. Die abschließende Zeile betont die Seltenheit, mit der Canova die wahre Schönheit erreicht. Waiblinger impliziert, dass die Kunst des Bildhauers oft an der Oberfläche verharrt und die tiefere, zeitlose Ästhetik verfehlt. Das Gedicht fordert eine Kunst, die über den bloßen Reiz hinausgeht und sich dem Ideal einer vollkommenen, ausgewogenen Schönheit annähert.

Schlüsselwörter

vermählung erkanntest genügte weichheit weibliche theil schöpfrischen bund

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
ruhiger Schönheit
Enjambement
Diese Vermählung erkanntest du nicht: dir genügte die Weichheit, Und der weibliche Theil ohne den schöpfrischen Bund.
Kontrast
Näherst dem weisen Maaß ruhiger Schönheit du dich