Cabaret (2)

Hugo Ball

1916

Der Exhibitionist stellt sich gespreizt am Vorhang auf, Und Pimpronella reizt ihn mit den roten Unterröcken. Koko der grüne Gott klatscht laut im Publikum. Da werden geil die ältesten Sündenböcke.

Tsingtara! Da ist ein langes Blasinstrument. Daraus fährt eine Speichelfahne. Darauf steht: »Schlange«. Das packen alle ihre Damen in die Geigenkästen ein Und verziehen sich. Da wird ihnen bange.

Am Eingang sitzt die ölige Camödine. Die schlägt sich die Goldstücke als Flitter in die Schenkel. Der sticht eine Bogenlampe die Augen aus. Und das brennende Dach fällt herunter auf ihren Enkel.

Von dem gespitzten Ohr des Esels fängt die Fliegen Ein Clown, der eine andre Heimat hat. Durch kleine Röhrchen, die sich gründlich biegen, Hat er Verbindung mit Baronen in der Stadt.

In hohen Luftgeleisen, wo sich enharmonisch Die Seile schneiden, drauf man flach entschwirrt, Versucht ein kleinkalibriges Kamel platonisch Zu klettern; was die Fröhlichkeit verwirrt.

Der Exhibitionist, der je zuvor den Vorhang Bedient hat mit Geduld und Blick für das Douceur, Vergißt urplötzlich den Begebenheitenvorgang Und treibt gequollene Mädchenscharen vor sich her.

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Illustration zu Cabaret (2)

Interpretation

Das Gedicht "Cabaret (2)" von Hugo Ball beschreibt eine chaotische und surreale Szene in einem Kabarett, in der verschiedene exzentrische Figuren und bizarre Handlungen dargestellt werden. Die Atmosphäre ist geprägt von einer Mischung aus Exhibitionismus, sexueller Anspielung und grotesker Komik. Die Figuren wie der Exhibitionist, Pimpronella und Koko der grüne Gott agieren in einer Welt, in der die Grenzen zwischen Realität und Fantasie verschwimmen. Die zweite Strophe führt weitere absurde Elemente ein, wie das Blasinstrument Tsingtara und die Damen, die ihre Instrumente in Geigenkästen packen und verschwinden. Diese surrealen Bilder verstärken den Eindruck einer unwirklichen und beängstigenden Atmosphäre. Die Figur der öligen Camödine am Eingang fügt eine weitere Ebene der Verwirrung und des Schreckens hinzu, indem sie Goldstücke in ihre Schenkel schlägt und mit einer Bogenlampe die Augen aussticht. Im weiteren Verlauf des Gedichts werden noch abstrusere Szenen geschildert, wie der Clown, der Fliegen mit dem Ohr eines Esels fängt und über Röhrchen mit Baronen in der Stadt verbunden ist. Die letzte Strophe beschreibt ein Kamel, das versucht, in einer surrealen Landschaft zu klettern, was die allgemeine Verwirrung und Unordnung noch verstärkt. Der Exhibitionist am Ende des Gedichts vergisst seine Rolle und treibt die Mädchenscharen vor sich her, was die chaotische und unvorhersehbare Natur der gesamten Szene unterstreicht.

Schlüsselwörter

exhibitionist vorhang stellt gespreizt pimpronella reizt roten unterröcken

Wortwolke

Wortwolke zu Cabaret (2)

Stilmittel

Alliteration
Geigenkästen ein / Und verziehen sich
Anspielung
Und Pimpronella reizt ihn mit den roten Unterröcken
Bildsprache
Und das brennende Dach fällt herunter auf ihren Enkel
Enjambement
Von dem gespitzten Ohr des Esels fängt die Fliegen Ein Clown, der eine andre Heimat hat
Hyperbel
Der sticht eine Bogenlampe die Augen aus
Ironie
Der sticht eine Bogenlampe die Augen aus
Metapher
In hohen Luftgeleisen, wo sich enharmonisch Die Seile schneiden, drauf man flach entschwirrt
Personifikation
Koko der grüne Gott klatscht laut im Publikum
Reim
Unterröcken / Sündenböcke
Symbolik
Pimpronella reizt ihn mit den roten Unterröcken