Cabaret (1)

Hugo Ball

1912

I.

Auf das Gesuch des Negers schwieg die große Huppe Und Emmys höllenrotes Schlankbein war komplett. Auf′s Ruhbett steige ich als Archipenko-Puppe Und predige Diabolik dem Magnet-Korsett.

O Vielgetön eisgelb geschwollener Sardinen! Belache, Publikum, den heroiquen Selbstmord der Diseuse! 4 Geiger biegen übern Brustkorb rote Eisenschienen. Das Auge Gottes wacht auf der Pleureuse.

O Reitpferd Franz! Cönakelhafte Wanze! Die Welt ist tief besoffen, glasäugig, voll Epilepsie. Trompetenschnauze schlägt in violette Bassprotuberantze. Röhrend äsen Kaiser Wilhelms Hippopodami.

II.

Die lilafarbene Pagodentrommel scheppert schief. Wellenbock heißt der Cellist, Krassmilch und Kuttelfleck. Es knerpelt Nackenwirbel sich fatal zu hohen Drehgewinden. Eh lala! Musik sägt mir die Flanken auf.

Die Brüder Moll und Jebby blasen auf der Okarina. Orchestermusik rechts schwenkt hinein in die offene Flanke. Ein ganzer Unterleib voll Musik und Trompetenrohr. Dick vom Kind tänzelt die Diseuse aus der Garderobe.

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Illustration zu Cabaret (1)

Interpretation

Das Gedicht "Cabaret (1)" von Hugo Ball ist eine surrealistische und expressionistische Darstellung einer chaotischen und absurden Welt. Es beginnt mit einer surrealen Szene, in der eine "große Huppe" auf das Gesuch eines "Neger" schweigt, während "Emmys höllenrotes Schlankbein" komplett ist. Der Sprecher selbst steigt als "Archipenko-Puppe" aufs "Ruhbett" und predigt "Diabolik dem Magnet-Korsett". Diese Bilder sind stark von Dadaismus und Expressionismus beeinflusst und zeigen eine Welt, die aus den Fugen geraten ist. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Szene noch absurder. Es gibt eine "lilafarbene Pagodentrommel", die "schief" scheppert, und ein Cellist namens "Wellenbock". Der Sprecher fühlt sich von der Musik "aufgesägt" und beschreibt seinen Körper als "voller Musik und Trompetenrohr". Die "Diseuse", eine Art Sängerin oder Schauspielerin, tanzt "dick vom Kind" aus der Garderobe. Diese Bilder sind surrealistisch und traumhaft, und sie zeigen eine Welt, die völlig aus den Fugen geraten ist. Insgesamt ist das Gedicht eine surrealistische und expressionistische Darstellung einer chaotischen und absurden Welt. Es ist voller surrealer Bilder und Metaphern, die eine Welt zeigen, die aus den Fugen geraten ist. Das Gedicht ist ein Beispiel für den Dadaismus und den Expressionismus, die in der Kunst und Literatur des frühen 20. Jahrhunderts sehr einflussreich waren.

Schlüsselwörter

diseuse voll musik gesuch negers schwieg große huppe

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Stilmittel

Alliteration
Auf das Gesuch des Negers schwieg die große Huppe
Allusion
Kaiser Wilhelms Hippopodami
Hyperbel
Die Welt ist tief besoffen, glasäugig, voll Epilepsie
Metapher
Ich steige als Archipenko-Puppe
Oxymoron
heroiquen Selbstmord der Diseuse
Personifikation
Das Auge Gottes wacht auf der Pleureuse