Bußlied
1769An dir allein, an dir hab ich gesündigt, Und übel oft vor dir getan. Du siehst die Schuld, die mir den Fluch verkündigt; Sieh, Gott, auch meinen Jammer an.
Dir ist mein Flehn, mein Seufzen nicht verborgen, Und meine Tränen sind vor dir. Ach Gott, mein Gott, wie lange soll ich sorgen? Wie lang entfernst du dich von mir?
Herr, handle nicht mit mir nach meinen Sünden, Vergilt mir nicht nach meiner Schuld. Ich suche dich; laß mich dein Antlitz finden, Du Gott der Langmut und Geduld.
Früh wollst du mich mit deiner Gnade füllen, Gott, Vater der Barmherzigkeit. Erfreue mich um deines Namens willen; Du bist ein Gott, der gern erfreut.
Laß deinen Weg mich wieder freudig wallen, Und lehre mich dein heilig Recht, Mich täglich tun nach deinem Wohlgefallen; Du bist mein Gott, ich bin dein Knecht.
Herr, eile du, mein Schutz, mir beizustehen, Und leite mich auf ebner Bahn. Er hört mein Schrein, der Herr erhört mein Flehen, Und nimmt sich meiner Seelen an.
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Interpretation
Das Gedicht "Bußlied" von Christian Fürchtegott Gellert handelt von einem Menschen, der seine Sünden erkennt und Gott um Vergebung bittet. Der Sprecher bekennt, dass er allein gegen Gott gesündigt und oft Böses getan hat. Er bittet Gott, seine Schuld zu sehen, aber auch sein Leid und seine Reue. Er seufzt und weint vor Gott und fragt, wie lange er noch leiden und von Gott entfernt sein muss. Er bittet Gott, nicht nach seinen Sünden zu richten, sondern ihm Gnade und Barmherzigkeit zu zeigen. Er will sich Gott zuwenden und sein Angesicht suchen, denn Gott ist geduldig und langmütig. Er bittet Gott, ihn früh mit seiner Gnade zu erfüllen und ihn um seines Namens willen zu erfreuen, denn Gott ist ein Gott, der gerne erfreut. Er bittet Gott, ihn wieder auf den rechten Weg zu führen und ihn täglich nach seinem Wohlgefallen handeln zu lehren, denn er ist Gottes Knecht. Er bittet Gott, ihm beizustehen und ihn auf ebener Bahn zu leiten, denn Gott hört sein Schreien, erhört sein Flehen und nimmt sich seiner Seele an. Das Gedicht "Bußlied" von Christian Fürchtegott Gellert ist ein typisches Beispiel für die pietistische Frömmigkeit des 18. Jahrhunderts, die eine persönliche und emotionale Beziehung zu Gott sucht. Der Sprecher des Gedichts drückt seine tiefe Reue und seine Sehnsucht nach Gott aus, aber auch sein Vertrauen auf Gottes Gnade und Barmherzigkeit. Er betont die eigene Schuld und die Abhängigkeit von Gott, aber auch die Hoffnung auf Vergebung und Erneuerung. Er ruft Gott als Vater und Schutz an und bittet ihn um Hilfe und Führung im Leben. Er zeigt eine Haltung der Demut, der Dankbarkeit und der Hingabe gegenüber Gott. Das Gedicht ist geprägt von einem starken Kontrast zwischen der Sündhaftigkeit des Menschen und der Heiligkeit Gottes, aber auch von einem starken Kontrast zwischen der Traurigkeit des Sünders und der Freude des Erlösten. Das Gedicht endet mit einer positiven und zuversichtlichen Note, die die Zuversicht auf Gottes Gnade und die Freude über seine Gegenwart ausdrückt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Herr, eile du, mein Schutz, mir beizustehen
- Anapher
- An dir allein, an dir hab ich gesündigt
- Apostrophe
- Herr, eile du, mein Schutz, mir beizustehen
- Hyperbel
- Ach Gott, mein Gott, wie lange soll ich sorgen?
- Metapher
- Du bist ein Gott, der gern erfreut
- Parallelismus
- Vergilt mir nicht nach meiner Schuld. Ich suche dich; laß mich dein Antlitz finden
- Personifikation
- Du siehst die Schuld, die mir den Fluch verkündigt
- Rhetorische Frage
- Ach Gott, mein Gott, wie lange soll ich sorgen? Wie lang entfernst du dich von mir?
- Symbolik
- Herr, eile du, mein Schutz, mir beizustehen