Burschenschaftslied
1802Kommt′s von oben, so wird′s bestehn, Ist′s von der Erde, muß′s untergehn.
Als einst vom blut′gen Waffentanze Heim zogen in dem Siegerkranze, Der deutschen Krieger tapfre Reihn, Da schwuren sie′s mit treuen Händen, Ob Ost, ob West und Nord sie trennten, Ein freies deutsches Volk zu sein.
So zogen zu den alten Musen, Begeisterung im treuen Busen, Die Burschen aus dem Kampf zurück; Doch was sie sich so heiß ersehnten, Was sie so schön zu finden wähnten, Sie fanden nicht der Eintracht Glück.
Noch trennte eines Volkes Brüder Der alten Zwietracht blut′ge Hyder, Die alle Freundschaftsbande reißt; Parteisucht, Stolz und schnöde Rache, Zerstörten noch die gute Sache Und hielten fern den bessern Geist.
Da regten sich in bessern Herzen Der Sehnsucht tiefgefühlte Schmerzen, Die Wehmut um des Volkes Not - Und plötzlich lodern auf die Flammen Und leuchtend schlagen sie zusammen, Zu einer Flamme Morgenrot.
Es fallen jene rohen Horden, Es reißen jene alten Orden, Es sinkt die alte Barbarei; Und alle Bursche deutscher Lande Umziehn der Bruderliebe Bande, Ein Bündnis eint sie frei und treu.
Doch was das Volk so schön entzündet, Die heil′ge Flamme ist entwendet Von königlicher Frevelhand; Geschworne Eide sind gebrochen, Und noch ist Deutschland ungerochen, Noch trauert still mein Vaterland?
Auf uns auch schleudern sie die Blitze, Dort, aus des hohen Rates Sitze, Den sie am Rhein sich aufgebaut, Doch wir verhöhnen die Philister, Vor Diplomaten und Minister Den freien Burschen nimmer graut.
Drum laßt sie drohn und Rache schnauben, Wir stehen fest in unsrem Glauben, Wir freie deutsche Burschenschaft. Der Eid, der uns so treu verbündet, Das Haus, das wir so fest begründet, Noch stehen sie in alter Kraft.
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Interpretation
Das Gedicht "Burschenschaftslied" von Wilhelm Hauff handelt von der Entstehung und den Idealen der deutschen Burschenschaften im 19. Jahrhundert. Es beschreibt den Wunsch nach einem freien, geeinten deutschen Volk und die Sehnsucht nach Brüderlichkeit und Eintracht. Das Gedicht beginnt mit einem Aufruf zur Standhaftigkeit und einem Verweis auf den Ursprung der Ideale. Es erinnert an die Zeit nach dem Sieg über Napoleon, als sich die deutschen Krieger in einem Siegerkranz nach Hause begaben und schworen, ein freies deutsches Volk zu sein. Anschließend zogen die Burschen zu den alten Musen zurück, um sich den Idealen von Bildung und Brüderlichkeit zu widmen. Doch sie fanden nicht das erhoffte Glück der Eintracht, da alte Zwietracht, Parteisucht, Stolz und Rache die Freundschaftsbande zerrissen. In einem Wendepunkt des Gedichts regen sich in bessern Herzen die tiefen Schmerzen der Sehnsucht und die Wehmut um das Leid des Volkes. Plötzlich lodern die Flammen der Begeisterung auf und leuchten zusammen zu einer einzigen Flamme, dem Morgenrot der Hoffnung. Die rohen Horden und alten Orden fallen, die Barbarei sinkt, und alle Burschen deutscher Lande umfängt der Bund der Bruderliebe. Sie sind durch ein Bündnis vereint, das sie frei und treu verbindet. Doch die heilige Flamme der Begeisterung wird von königlicher Frevelhand entwendet. Geschworene Eide werden gebrochen, und Deutschland bleibt ungerächt. Das Vaterland trauert still. Die Burschenschaften werden von oben mit Drohungen und Rachegelüsten bedroht, doch sie verhöhnen die "Philister" und fürchten sich nicht vor Diplomaten und Ministern. Sie stehen fest in ihrem Glauben an die freie deutsche Burschenschaft. Der Eid, der sie treu verbündet, und das Haus, das sie fest begründet haben, stehen noch immer in alter Kraft.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Kommt's von oben, so wird's bestehn
- Anapher
- Die Wiederholung von 'Es' am Anfang mehrerer Zeilen in der vierten Strophe dient der Betonung und Rhythmik.
- Bildsprache
- Die Beschreibung der 'blutigen Hyder' und 'rohen Horden' schafft eine lebendige und dramatische Bildsprache.
- Hyperbel
- Die Beschreibung der 'rohen Horden' und 'alten Orden' als 'blutige Hyder' ist eine Übertreibung, um die Intensität des Konflikts zu betonen.
- Kontrast
- Der Kontrast zwischen 'Freiheit' und 'Knechtschaft' wird verwendet, um die Ideale der Burschenschaft zu unterstreichen.
- Metapher
- Der 'Eid' und das 'Haus' sind Metaphern für die Grundsätze und die Gemeinschaft der Burschenschaft.
- Personifikation
- Die 'Wehmut um des Volkes Not' wird personifiziert, um die emotionale Wirkung zu verstärken.
- Reimschema
- Die Strophen folgen einem ABAB-Reimschema, was eine rhythmische und strukturierte Form ergibt.
- Symbolik
- Die 'Burschenschaft' symbolisiert die Einheit und den Zusammenhalt der deutschen Studenten.