Burg ′Fragmirnichtnach′

Conrad Ferdinand Meyer

1892

Wo weiss die Landquart durch die Tannen schäumt, Irrt unbekümmert ich um Weg und Zeit, Da stand ein grauer Turm, wie hingeträumt In ungebrochne Waldeseinsamkeit. Ich sah mich um und frug: “Wie heisst das Schloss?” Ein bucklig Mütterlein, das Kräuter brach; Da murrte sie, die jedes Wort verdross: “Fragmirnichtnach.”

Ich schritt hinan; im Hof ein Brünnlein scholl, Durch den verwachsnen Torweg drang ich ein, Ein dünnes kühles Rieseln überquoll Auf einer Gruft den schwarzbemoosten Stein. Ich beugte mich nach des Verschollnen Spur, Entziffernd, was des Steines Inschrift sprach, Nicht Zahl, nicht Namen - ein Begehren nur: Frag mir nicht nach!

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Illustration zu Burg ′Fragmirnichtnach′

Interpretation

Das Gedicht "Burg 'Fragmirnichtnach'" von Conrad Ferdinand Meyer handelt von der Suche nach der Vergangenheit und dem Geheimnis um eine unbekannte Burg. Der Sprecher irrt durch den Wald, unbekümmert um Weg und Zeit, und entdeckt einen grauen Turm, der in die Einsamkeit des Waldes hineinträumt. Als er nach dem Namen des Schlosses fragt, antwortet eine bucklige Frau, die Kräuter sammelt, mit dem rätselhaften Satz "Fragmirnichtnach". Der Sprecher geht weiter und betritt den Hof der Burg. Dort entdeckt er einen Brunnen und einen verwilderten Torweg. Er beugt sich über eine Gruft, auf der ein schwarzbemooster Stein liegt. Auf dem Stein steht eine Inschrift, die keine Zahl oder Namen enthält, sondern nur ein Begehren: "Frag mir nicht nach!" Diese Inschrift verstärkt das Geheimnis um die Burg und ihre Geschichte. Das Gedicht vermittelt eine Stimmung von Einsamkeit, Geheimnis und Unergründlichkeit. Die Burg und ihre Geschichte bleiben im Dunkeln, und der Sprecher wird mit seiner Neugierde abgewiesen. Das wiederkehrende Motiv des Wassers - in Form des Landquart-Flusses, des Brunnens und des Rieselns - verstärkt die Atmosphäre von Vergänglichkeit und Unerreichbarkeit. Das Gedicht lädt den Leser dazu ein, über die Vergänglichkeit der Zeit und die Unmöglichkeit, die Vergangenheit vollständig zu ergründen, nachzudenken.

Schlüsselwörter

weiss landquart tannen schäumt irrt unbekümmert weg zeit

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
bucklig Mütterlein
Bildsprache
Grauer Turm, wie hingeträumt
Enjambement
Ich sah mich um und frug: "Wie heisst das Schloss?"
Ironie
Fragmirnichtnach
Personifikation
Landquart durch die Tannen schäumt
Symbolik
Schwarzbemooster Stein
Wiederholung
Frag mir nicht nach