Bundeslied
1946Geist des Bundes, schwebe nieder, Deines Altars Flammen glühn, Aus den Augen meiner Brüder Seh ich Opferflammen sprühn. Hörst du unsre Hymnen tönen? Sie verkünden deinen Ruhm; Komm herab zu deinen Söhnen In Germanias Heiligtum.
Der in dieser großen Stunde Einst der Stifter Herz gerührt, Der du unsrem lichten Bunde Einst den Tag heraufgeführt, Schütze deiner Söhne Scharen In der kalten, trüben Nacht, Daß die Flamme sie bewahren, Die du mächtig angefacht.
Hand in Hand und kampfgerüstet Nahn wir deinem Festaltar, Weil den argen Feind gelüstet, Zu zersplittern unsre Schar. Doch ob auch der Arge dräute, Ob die Hölle stürmen mag, Noch steht herrlich dein Gebäude, Herrlich, wie am ersten Tag.
Laßt des Bundes Banner wallen, Töne lauter Festgesang, Denn schon naht der Geist den Hallen, Durch die Wölbung tönt sein Gang. Und er ziehet Zauberkreise Um der Brüder lange Reihn, Und Begeistrung ziehet leise In die trunknen Herzen ein.
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Interpretation
Das Gedicht Bundeslied von Wilhelm Hauff ist ein patriotisches und feierliches Werk, das die Verbundenheit und den Zusammenhalt einer Gemeinschaft oder eines Bundes betont. Der Geist des Bundes wird als eine göttliche oder übernatürliche Kraft dargestellt, die die Mitglieder des Bundes inspiriert und beschützt. Die Flammen und Hymnen symbolisieren die Leidenschaft und die Einheit der Gemeinschaft, die in Germaniens Heiligtum zusammenkommen, um ihre gemeinsamen Werte und Ziele zu feiern. Die zweite Strophe ehrt den Stifter des Bundes, der in einem entscheidenden Moment das Herz der Mitglieder gerührt und den Bund ins Leben gerufen hat. Der Dichter bittet um Schutz und Bewahrung der Flamme, die der Stifter entfacht hat, besonders in schwierigen Zeiten. Die "kalte, trübe Nacht" kann als Metapher für Herausforderungen und Widrigkeiten verstanden werden, denen sich der Bund gegenübersieht. In der dritten Strophe wird die Entschlossenheit und der Mut der Mitglieder betont, die sich Hand in Hand dem Altar des Bundes nähern. Trotz der Bedrohung durch Feinde und die Hölle bleibt das Gebäude des Bundes stark und unerschütterlich, so wie es am ersten Tag war. Die letzte Strophe ruft dazu auf, die Banner des Bundes wehen zu lassen und feierliche Lieder anzustimmen, da der Geist sich den Hallen nähert und die Herzen der Brüder mit Begeisterung erfüllt. Die "Zauberkreise" und die "trunknen Herzen" symbolisieren die tiefe emotionale und spirituelle Verbindung, die die Mitglieder des Bundes vereint.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Der in dieser großen Stunde / Einst der Stifter Herz gerührt
- Metapher
- In die trunknen Herzen ein
- Personifikation
- Geist des Bundes, schwebe nieder
- Vergleich
- Seh ich Opferflammen sprühn