Bundeslied
1775In allen guten Stunden, Erhöht von Lieb und Wein, Soll dieses Lied verbunden Von uns gesungen sein! Uns hält der Gott zusammen, Der uns hierher gebracht; Erneuert unsre Flammen! Er hat sie angefacht.
So glühet fröhlich heute, Seid recht von Herzen eins! Auf, trinkt erneuter Freude Dies Glas des echten Weins! Auf, in der holden Stunde Stoßt an, und küsset treu, Bei jedem neuen Bunde, Die Alten wieder neu!
Wer lebt in unserm Kreise, Und lebt nicht selig drin? Genießt die freie Weise Und treuen Brudersinn! So bleibt durch alle Zeiten Herz Herzen zugekehrt; Von keinen Kleinigkeiten Wird unser Bund gestört.
Uns hat ein Gott gesegnet Mit freiem Lebensblick, Und alles, was begegnet, Erneuert unser Glück. Durch Grillen nicht gedränget, Verknickt sich keine Lust; Durch Zieren nicht geenget, Schlägt freier unsre Brust.
Mit jedem Schritt wird weiter Die rasche Lebensbahn, Und heiter, immer heiter Steigt unser Blick hinan. Uns wird es nimmer bange, Wenn alles steigt und fällt, Und bleiben lange, lange! Auf ewig so gesellt.
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Interpretation
Das Gedicht "Bundeslied" von Johann Wolfgang von Goethe ist ein feierlicher Lobgesang auf Freundschaft und Zusammengehörigkeit. Es betont die Verbundenheit einer Gruppe von Menschen, die durch einen gemeinsamen Gott zusammengehalten werden und deren Bande durch Liebe, Wein und gegenseitige Zuneigung gestärkt werden. Das Gedicht ermutigt dazu, in guten Stunden zusammenzukommen, zu singen und auf die Freundschaft anzustoßen, wobei die alten Bande bei jedem neuen Zusammenschluss erneuert werden sollen. Goethe beschreibt die Freundschaft als einen Ort des Glücks und der Freiheit, an dem jeder in einem Kreis der Zuneigung lebt und genießt. Die Herzen bleiben durch alle Zeiten einander zugewandt, und nichts kann ihren Bund stören. Das Gedicht betont die Bedeutung eines freien Lebensblicks und die Erneuerung des Glücks durch alles, was begegnet. Es ermutigt dazu, sich nicht von Kleinigkeiten oder äußeren Zwängen beeinflussen zu lassen, sondern die Freiheit und Freude der Freundschaft zu bewahren. Das Gedicht schließt mit einem optimistischen Ausblick auf die Zukunft, in der die Freunde gemeinsam durch das Leben schreiten und dabei immer heiterer und selbstbewusster werden. Es vermittelt die Zuversicht, dass sie auch in Zeiten des Auf und Abs zusammenbleiben werden, und endet mit dem Wunsch, dass diese Zusammengehörigkeit ewig währen möge.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- Und bleiben lange, lange! Auf ewig so gesellt
- Imperativ
- Auf, trinkt erneuter Freude Dies Glas des echten Weins!
- Metapher
- Mit jedem Schritt wird weiter Die rasche Lebensbahn
- Parallelismus
- Wer lebt in unserm Kreise, Und lebt nicht selig drin?
- Personifikation
- Uns hält der Gott zusammen