Bücher

Friedrich Freiherr von Logau

1605

Es ist mir meine Lust bei Todten stets zu leben, Mit denen um und um, die nicht seyn, seyn gegeben, Zu fragen, die sind taub, zu hören, die nichts sagen, Und die, die haben nichts, sehr viel hingegen tragen, Zu halten lieb und werth. Ich bin auff die beflissen, Die mir viel gutes thun und doch von mir nichts wissen; Ich halte diese hoch, die mich nur an nicht sehen; Die manchmal mich mit Ernst verhöhnen, schelten, schmähen, Sind meine beste Freund. Und solt ich die begeben, Eh geb ich alle Welt, eh geb ich auch das Leben.

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Interpretation

Das Gedicht "Bücher" von Friedrich Freiherr von Logau thematisiert die tiefe Leidenschaft und Verbundenheit des Autors zu Büchern. Logau beschreibt, wie er in der Gesellschaft von Büchern, die als "Tote" bezeichnet werden, weil sie keine lebendigen Wesen sind, eine besondere Freude findet. Er kommuniziert mit ihnen, hört auf ihre "Stimmen" und schätzt ihren unschätzbaren Wert, obwohl sie selbst nichts besitzen. Diese Beziehung zu Büchern ist geprägt von Respekt und Bewunderung. In den folgenden Versen verdeutlicht Logau, dass Bücher ihm viel Gutes tun, ohne dass sie davon wissen. Er fühlt sich von ihnen geschätzt, auch wenn sie ihn nicht sehen können. Interessanterweise sind es gerade die Bücher, die ihn manchmal ernsthaft kritisieren oder tadeln, die er als seine besten Freunde betrachtet. Diese Kritik wird als wertvolles Feedback angesehen, das ihm hilft, sich weiterzuentwickeln und zu lernen. Abschließend betont Logau, dass er diese Bücher niemals aufgeben würde, selbst wenn er die ganze Welt oder sogar sein eigenes Leben opfern müsste. Dies unterstreicht die tiefe emotionale und intellektuelle Bindung, die er zu Büchern hat. Sie sind für ihn unersetzlich und von unschätzbarem Wert, da sie ihm Wissen, Weisheit und Gesellschaft bieten.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Antithese
Die mich nur an nicht sehen
Hyperbel
Eh geb ich alle Welt, eh geb ich auch das Leben
Ironie
Zu fragen, die sind taub, zu hören, die nichts sagen
Metapher
Es ist mir meine Lust bei Todten stets zu leben
Paradox
Die manchmal mich mit Ernst verhöhnen, schelten, schmähen, Sind meine beste Freund
Personifikation
Mit denen um und um, die nicht seyn, seyn gegeben