Bruder Nickel am unheimlichen See auf Rügen
1913Der kluge Peter sagt einmal bei Tische: Warum soll man im See nicht fischen können? Es sind darin so viele, viele Fische, Daß sie mit Köpfen wider einander rennen! Da trugen wir den Nachen hin zum Seee Und liefen nur zurücke nach den Netzen; – Doch als wir wieder kommen um die Höhe, So blieben wir da stehen vor Entsetzen.
Der See war schwarz, und wie vom Feuer kocht er, Es stand der Kahn im höchsten Buchenwipfel. Da hielten sich mein Sohn und meine Tochter Und auch der Knecht an meinem Mantelzipfel.
Ich aber rief: Wer Teufel hat den Nachen Hinaufgebracht auf die verwünschten Buchen? – Da hörte ich von beiden Seiten lachen, Dann aber rief es: »Hör nun auf zu fluchen.
Kein Teufel hat den Kahn dahin verschlagen, Den hat mein Bruder Nickel so vertragen.« – – Wer bist du und der Nickel? muß ich fragen. – Da rief es her: »das werd ich dir nicht sagen!«
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Interpretation
Das Gedicht "Bruder Nickel am unheimlichen See auf Rügen" von August Kopisch erzählt von einer unheimlichen Begebenheit am See. Die Geschichte beginnt mit einem Tischgespräch, bei dem der kluge Peter die Idee aufbringt, im See zu fischen. Die Fische seien so zahlreich, dass sie sich mit den Köpfen gegenseitig stoßen würden. Daraufhin machen sich die Personen mit einem Nachen und Netzen auf den Weg zum See. Als sie jedoch zurückkehren, stehen sie vor einem schockierenden Anblick. Der See ist schwarz und brodelt wie von Feuer gekocht. Der Kahn befindet sich auf den höchsten Wipfeln der Buchen. Die Personen halten sich erschrocken am Mantelzipfel des Erzählers fest. Dieser ruft laut, wer den Teufel den Nachen auf die Buchen gebracht haben könnte. Daraufhin hört er von beiden Seiten Lachen und eine Stimme, die ihn auffordert, mit dem Fluchen aufzuhören. Es sei kein Teufel gewesen, sondern der Bruder Nickel, der den Kahn so vertragen habe. Die unheimliche Stimmung des Gedichts wird durch die Beschreibung des schwarzen, brodelnden Sees und des Kahns in den Baumwipfeln verstärkt. Die plötzliche Erscheinung der mysteriösen Stimme und das Lachen von beiden Seiten tragen zur gespenstischen Atmosphäre bei. Die Identität des Bruders Nickel und der Stimme bleibt unklar, was die Rätselhaftigkeit der Geschichte verstärkt. Das Gedicht lässt den Leser mit einem ungelösten Geheimnis zurück und regt die Fantasie an, sich eigene Erklärungen für die unheimlichen Ereignisse am See zu überlegen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Warum soll man im See nicht fischen können?
- Bildsprache
- Es stand der Kahn im höchsten Buchenwipfel
- Frage-Antwort-Struktur
- Wer bist du und der Nickel? muß ich fragen. – Da rief es her: »das werd ich dir nicht sagen!«
- Ironie
- Da hielten sich mein Sohn und meine Tochter Und auch der Knecht an meinem Mantelzipfel
- Personifikation
- Der See war schwarz, und wie vom Feuer kocht er
- Übertreibung
- Es sind darin so viele, viele Fische, Daß sie mit Köpfen wider einander rennen!