Bruder Fritz

Friedrich von Hagedorn

1708

Versprechen machet Schuld; drum send′ ich dir die Zeilen, Die meine Dichterei zu deiner Lust entwarf. Dafür entdecke mir: Ob sich ein Kranker heilen, Und dem besorgten Arzt die Müh′ erleichtern darf?

Freund, dem des Himmels Huld die schwere Kunst zu scherzen, Die Ort und Hörer wählt, die Zeit und Stunde kennt, Und die Gefälligkeit, das Vorrecht edler Herzen, Und wahre Tugenden ohn′ eitlen Schein gegönnt; Jetzt rühm′ ich nicht in dir dein hilferbötig Wissen, Die kluge Fertigkeit, die Treue deiner Hand. Das wird ein andres Blatt mit Dank erheben müssen; Dieß aber macht dir nur den theuren Fritz bekannt.

Fritz war ein guter Mönch, ein Feind der frühen Mette, Den auch der Bischof nicht an Weisheit übertraf. Oft schlief er in dem Chor, oft trank er in dem Bette, Und schlief auf seinen Trunk, und trank auf seinen Schlaf. Ihn warf zur Sommerszeit ein hitzig Fieber nieder, Und folterte den Mann auf seinem Polstersitz; Sogleich besuchten ihn die feisten Ordensbrüder, Und alle trösteten den matten Bruder Fritz. Sein Abt, dem, sonder ihn, auch nicht sein Mundwein schmeckte, Weil keiner so im Trunk Bescheid und Wunder that, Berief den besten Arzt, dem er die Noth endeckte, Den Segen doppelt gab, und ihn um Hilfe bat. Er sprach: Wählt ein Geschenk aus jenem vollen Kasten, Nur lindert, kann es sein, des armen Bruders Qual. Ich bete schon für ihn; ich will auch für ihn fasten, Und dieses thät′ ich doch für keinen Cardinal. Der Doctor streichelt sich, und eilt in Fritzens Zelle. Da wird des Kranken Harn mit stummem Ernst besehn; Er fingert um den Puls, erwägt auch alle Fälle, Die theils vorhanden sind, theils zu befürchten stehn. Drauf spricht er: Kraft der Kunst, die ich, als Arzt, besitze, Bemerk′ ich hier den Durst, ein Zeichen böser Art; So find′ ich, zweitens, auch den höchsten Grad der Hitze, Und die beschleunigt oft der Frommen Himmelfahrt. Und dem Hippocrates getreulich nachzuleben, Muß keine Neuerung die Heilungskunst entweihn. Er heißt uns erst den Durst, und dann das Fieber heben; Und folglich wird der Durst mein erster Vorwurf sein, Immaßen … Ach, rief Fritz, befreit mich nur vom Fieber. Hilft kein Hippocrates, so hilft der Hipocras. O laßt mir selber jetzt die Cur des Durstes über; Hochwürdiger Herr Abt, reicht mir das große Glas.

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Illustration zu Bruder Fritz

Interpretation

Das Gedicht "Bruder Fritz" von Friedrich von Hagedorn erzählt die humorvolle Geschichte eines Mönchs namens Fritz, der an Fieber erkrankt. Der Autor verwendet einen lockeren und ironischen Ton, um die Situation zu beschreiben und die Charaktereigenschaften von Fritz sowie die Reaktionen der anderen Mönche und des Abts darzustellen. Das Gedicht beginnt mit einer Widmung an einen Freund, der sowohl ein talentierter Dichter als auch ein Arzt ist. Der Erzähler bittet seinen Freund um Rat bezüglich der Heilung eines Kranken und erwähnt dabei die verschiedenen Fähigkeiten und Tugenden seines Freundes. Diese Einleitung dient dazu, den Kontext für die folgende Geschichte zu schaffen und die Rolle des Arztes im Gedicht zu betonen. Der Hauptteil des Gedichts beschreibt die Krankheit von Bruder Fritz und die Reaktionen der anderen Mönche sowie des Abts. Fritz wird als ein Mönch dargestellt, der nicht besonders fromm ist und sich eher dem Schlaf und dem Trinken widmet. Als er an Fieber erkrankt, besuchen ihn die anderen Mönche und der Abt, um ihn zu trösten und Hilfe zu suchen. Der Abt beauftragt den besten Arzt, Fritz zu behandeln, und verspricht ihm eine Belohnung aus dem vollen Kasten. Der Arzt untersucht Fritz und stellt fest, dass er an Durst und hohem Fieber leidet. Er bezieht sich auf die Lehren des Hippokrates und plant, zuerst den Durst und dann das Fieber zu behandeln. Fritz selbst hat jedoch eine andere Meinung und bittet darum, vom Fieber befreit zu werden. Er schlägt vor, dass der Hipocras (ein mit Gewürzen versetzter Wein) ihm helfen könnte, und bittet den Abt um ein großes Glas, um seinen Durst selbst zu kurieren. Das Gedicht endet mit einem humorvollen Twist, bei dem Fritz seine eigene Lösung für sein Leiden vorschlägt. Es zeigt die menschliche Seite von Fritz und seinen Wunsch nach Linderung, selbst wenn dies gegen die konventionelle medizinische Praxis verstößt. Das Gedicht ist eine amüsante Darstellung der menschlichen Natur und der Eigenheiten der Menschen, selbst in einem religiösen Kontext.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Fritz war ein guter Mönch
Anspielung
Dem Hippocrates getreulich nachzuleben
Bildsprache
Ein hitzig Fieber nieder
Hyperbel
Und dieses thät′ ich doch für keinen Cardinal
Ironie
O laßt mir selber jetzt die Cur des Durstes über
Kontrast
Oft schlief er in dem Chor, oft trank er in dem Bette
Metapher
Die schwere Kunst zu scherzen
Personifikation
Die Zeit und Stunde kennt
Spitzfindigkeit
Immaßen ... Ach, rief Fritz, befreit mich nur vom Fieber
Wiederholung
Und schlief auf seinen Trunk, und trank auf seinen Schlaf