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Bruch der Freundschaft

Von

Nessun maggior dolore.

Ob auch nur schwer, doch läßt es sich verwinden,
Wenn Liebe ihren flücht′gen Schwur uns bricht.
Wie sollten mit dem Lebensfrühling nicht
Auch seine Düfte und sein Glanz verschwinden?

Ich weiß ein bänger, schmerzlicher Empfinden:
Der Freundschaft, die einst uns′rer Seele Licht,
Zu starren in das todte Angesicht,
Und wieder einsam sich im All zu finden.

Was sonst dein Herz an Freuden auch verlor,
Verglichen mit so ungeheuerm Wehe,
Schnellt jedes andern Schale hoch empor!

Dort ward doch nur Vergängliches zerschlagen;
Hier starb ein Göttliches, und schaudernd sehe
Ich die Vernichtung sich an Ew′ges wagen.

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Gedicht: Bruch der Freundschaft von Betty Paoli

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Bruch der Freundschaft“ von Betty Paoli thematisiert den Schmerz über den Verlust einer Freundschaft und stellt ihn in eine übergeordnete Dimension des Leids, welches über den Verlust der Liebe hinausgeht. Der italienische Versanfang „Nessun maggior dolore“ (Kein größerer Schmerz) setzt den Ton für die gesamte Reflexion und betont die Intensität der Trauer. Der Fokus liegt nicht auf der bloßen Trennung, sondern auf der tiefgreifenden Leere, die durch den Verlust eines engen Vertrauten entsteht.

Paoli vergleicht den Schmerz über den Bruch einer Freundschaft mit dem Schmerz über den Verlust der Liebe. Während die Liebe, so die ersten Zeilen, einen vorübergehenden Charakter besitzt und somit verkraftbar ist, wird der Verlust der Freundschaft als etwas Unvergleichlicheres dargestellt. Das „todte Angesicht“ des Freundes wird metaphorisch für den Moment des Verrats oder des Entfremdens verwendet, welches das frühere „Licht“ in der Seele der Dichterin erlöschen lässt. Die Einsamkeit wird als das Ergebnis dieses Verlustes hervorgehoben, als ein Zustand, in dem sich die Seele im „All“ wiederfindet und sich verloren fühlt.

Der zweite Teil des Gedichts unterstreicht die qualitative Differenz des Schmerzes. Alle anderen Verluste, die „dein Herz an Freuden auch verlor“, verblassen im Vergleich zu dieser „ungeheuern Wehe“. Das Zerstören von Vergänglichem, also die Auflösung einer Liebesbeziehung, ist leichter zu ertragen, da es im Vergleich zum Verlust des Göttlichen, das in der Freundschaft gesehen wird, weniger wiegt.

Die letzten drei Verse verstärken diesen Kontrast noch weiter. Die Zerstörung der Freundschaft wird als ein Akt der „Vernichtung“ interpretiert, der sich an etwas „Ew′ges“ wagt. Hier wird deutlich, dass die Freundschaft für die Autorin einen höheren, fast sakralen Wert besitzt. Das Gedicht zeugt von der Tiefe des Schmerzes und der Unersetzbarkeit einer wahrhaften Freundschaft, die als ein fundamentaler Bestandteil des menschlichen Lebens gesehen wird.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.