Breite und Tiefe
1797Es glänzen viele in der Welt, Sie wissen von allem zu sagen, Und wo was reizet und wo was gefällt, Man kann es bei ihnen erfragen, Man dächte, hört man sie reden laut, Sie hätten wirklich erobert die Braut.
Doch gehn sie aus der Welt ganz still, Ihr Leben war verloren. Wer etwas Treffliches leisten will, Hätt gern was Großes geboren, Der sammle still und unerschlafft Im kleinsten Punkte die höchste Kraft.
Der Stamm erhebt sich in die Luft Mit üppig prangenden Zweigen, Die Blätter glänzen und hauchen Duft, Doch können sie Früchte nicht zeugen, Der Kern allein im schmalen Raum Verbirgt den Stolz des Waldes, den Baum.
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Interpretation
Das Gedicht "Breite und Tiefe" von Friedrich von Schiller handelt von der Bedeutung von Tiefe und Konzentration gegenüber oberflächlichem Wissen und Angeberei. Schiller kritisiert Menschen, die viel wissen und darüber reden können, aber letztlich keine wirklichen Leistungen vollbringen. Er betont, dass wahre Größe in der Fähigkeit liegt, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und in kleinen Dingen die höchste Kraft zu sammeln. In der zweiten Strophe verdeutlicht Schiller, dass viele Menschen zwar in der Welt glänzen und von allem zu sagen wissen, aber letztendlich ihr Leben verloren haben, weil sie nichts wirklich Bedeutendes geleistet haben. Er fordert dazu auf, still und unermüdlich an einem Ziel zu arbeiten, um etwas Treffliches zu leisten. Der Schlüssel zum Erfolg liegt nicht in der Breite des Wissens, sondern in der Tiefe der Konzentration und Hingabe. In der dritten Strophe verwendet Schiller eine Metapher, um seinen Standpunkt zu verdeutlichen. Er vergleicht den Baum mit seinen prachtvollen Zweigen und duftenden Blättern mit Menschen, die äußerlich beeindruckend wirken, aber keine Früchte tragen können. Die wahre Stärke und der Stolz des Waldes liegen im schmalen Kern des Baumes verborgen. Ähnlich verhält es sich mit Menschen: Die wahre Größe liegt nicht in der äußeren Erscheinung oder dem oberflächlichen Wissen, sondern in der inneren Tiefe und der Fähigkeit, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- sammle still und unerschlafft
- Bildsprache
- Mit üppig prangenden Zweigen
- Kontrast
- Doch können sie Früchte nicht zeugen
- Metapher
- Der Stamm erhebt sich in die Luft
- Symbolik
- Der Kern allein im schmalen Raum