Brautnacht

Johann Wolfgang von Goethe

1832

Im Schlafgemach, entfernt vom Feste, Sitzt Amor, dir getreu, und bebt, Daß nicht die List mutwill′ger Gäste Des Brautbetts Frieden untergräbt. Es blinkt mit mystisch heil′gem Schimmer Vor ihm der Flammen blasses Gold; Ein Weihrauchswirbel füllt das Zimmer, Damit ihr recht genießen sollt.

Wie schlägt dein Herz beim Schlag der Stunde, Der deiner Gäste Lärm verjagt! Wie glühst du nach dem schönen Munde, Der bald verstummt und nichts versagt! Du eilst, um alles zu vollenden, Mit ihr in′s Heiligtum hinein; Das Feuer in des Wächters Händen Wird wie ein Nachtlicht still und klein.

Wie bebt vor deiner Küsse Menge Ihr Busen und ihr voll Gesicht! Zum Zittern wird nun ihre Strenge; Denn deine Kühnheit wird zur Pflicht. Schnell hilft dir Amor sie entkleiden, Und ist nicht halb so schnell als du; Dann hält er schalkhaft und bescheiden Sich fest die beiden Augen zu.

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Illustration zu Brautnacht

Interpretation

Das Gedicht "Brautnacht" von Johann Wolfgang von Goethe handelt von der Hochzeitsnacht eines Brautpaares. Das Gedicht beginnt mit einer Beschreibung des Schlafgemachs, in dem Amor, der Gott der Liebe, Wache hält, um sicherzustellen, dass die "mutwilligen Gäste" das Brautpaar nicht stören. Das Zimmer ist mit heiligem Schimmer und Weihrauch erfüllt, was die Intimität und den Zauber der Nacht unterstreicht. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Spannung und Erwartung der Braut beschrieben. Sie wartet darauf, dass die Stunde der Hochzeitsnacht gekommen ist, in der sie ihren Ehemann endlich berühren und lieben kann. Das Feuer in den Händen des Wächters wird als Nachtlicht bezeichnet, was die Intimität und die Nähe des Paares symbolisiert. Im letzten Teil des Gedichts wird die Leidenschaft und die Intimität der Hochzeitsnacht beschrieben. Die Braut zittert vor den Küssen des Bräutigams und ihre Strenge wird zu Zittern. Amor hilft dem Paar, sich auszuziehen, und hält sich dann die Augen zu, um die Intimität des Paares zu respektieren. Das Gedicht endet mit einer Beschreibung der Leidenschaft und der Intimität, die zwischen dem Brautpaar herrschen.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Bildsprache
Ein Weihrauchswirbel füllt das Zimmer
Metapher
Hält sich fest die beiden Augen zu
Personifikation
Schalkhaft und bescheiden