Bonnaek, Chan der Polowzer
1913Schürt das Feuer, laßt den Becher kreisen! Nichts befürchte David Igorewitsch! Nichts befürchtet ihr Polowzer Helden, Die ihr hier, im Wald gelagert, zittert! Sei der Ungarn Heer wie Stern am Himmel, Unsre Schar so klein wie Wespenschwärme, Bald zerstäuben wir die Macht der Stolzen, Bald erretten wir das Reich von Feinden! Eben ritt ich weit hinaus ins Blachfeld Durch die Mitternacht um gute Zeichen. Als ich auf die Steppe kam, da brüllt ich Wie der Wolf und – Vetter Wolf gab Antwort, Da wie dort in allen Büschen heult er. Heulen ließ ich den, und weiter brummt ich Wie der Bär und – rings aus allen Höhlen Kam der Bär und rieb am Baum und brummte. Brummen ließ ich den, und jetzo bellt ich Wie der Fuchs – da liefen tausend Füchse Bellend hin und her, ich ließ sie bellen. Dann wie Eulen und wie Geier schrie ich, – Rings am Himmel schrien Eul und Geier, Weit umher auf leichten Flügeln kreisend. Schreien ließ ich sie und ging zum Sanstrom, An den Schild mit diesem Schwerte schlug ich: Aale stiegen da herauf ans Ufer, Aus dem Wasser sprang jedweder Fisch da, Mit dem Maule jappend wie vor Hunger. – Gute Zeichen sind das! Wißt, die Tiere Da im Strom, im Feld und hoch in Lüften Wittern im voraus der Ungarn Leichen. – Schürt das Feuer, laßt den Becher kreisen!«
Feuer wird geschürt, der Becher kreiset Bei den Russen und Polowzer Helden, Die vereint sich, Davids Reich zu retten. Mut erhebt sie, wie die Wog′ ein Schifflein Von dem Sand hebt und im Strom es fortführt. Von Bonnaek geleitet ziehn hinaus sie. Überfallen wird der Ungarn Heer nun Und drei Tage hin und her gejaget: Bis zehntausend auf dem Feld zerhaun sind, Dreißigtausend in den Strom ertränket! Wenge kehren heim zum Ungerlande. Doch Bonnaek spricht: »David Igorewitsch, Schau, das alles ward wie ich geweissagt: Wolf und Bär und Fuchs und Eul und Geier Und die Fisch im Wasser halten Festschmaus! Aber du, Herr David Igorewitsch, Nimm dein Reich und herrsche nun in Frieden!«
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Interpretation
Das Gedicht "Bonnaek, Chan der Polowzer" von August Kopisch erzählt von der heldenhaften Schlacht zwischen den Polowzern und den Ungarn, bei der der Chan Bonnaek eine entscheidende Rolle spielt. Das Gedicht beginnt mit einer feierlichen Stimmung, in der das Feuer geschürt und der Becher kreist, während Bonnaek seine Krieger ermutigt und ihnen von guten Vorzeichen berichtet. Er hat auf einer nächtlichen Reise durch die Steppe die Tiere imitieren lassen, was als Zeichen für den bevorstehenden Sieg interpretiert wird. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Schlacht selbst beschrieben. Unter der Führung von Bonnaek greifen die Polowzer und Russen die Ungarn an und jagen sie drei Tage lang. Die Ungarn erleiden eine verheerende Niederlage, wobei zehntausend auf dem Feld getötet und dreißigtausend im Fluss ertränkt werden. Nur wenige Ungarn kehren in ihre Heimat zurück. Im abschließenden Teil des Gedichts berichtet Bonnaek David Igorewitsch, dem Herrscher des Reiches, von dem erfolgreichen Ausgang der Schlacht. Er weist darauf hin, dass die von ihm vorhergesagten Zeichen eingetroffen sind und die Tiere sich an den Leichen der Ungarn laben. Bonnaek überlässt David Igorewitsch sein Reich und wünscht ihm Frieden. Das Gedicht endet mit einem triumphalen Ton, der den Sieg der Polowzer und Russen über die Ungarn feiert.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Bis zehntausend auf dem Feld zerhaun sind, Dreißigtausend in den Strom ertränket
- Apostrophe
- Schürt das Feuer, laßt den Becher kreisen!
- Hyperbel
- Schürt das Feuer, laßt den Becher kreisen! ... Nichts befürchtet ihr Polowzer Helden
- Metapher
- Wolf und Bär und Fuchs und Eul und Geier Und die Fisch im Wasser halten Festschmaus
- Personifikation
- Da im Strom, im Feld und hoch in Lüften Wittern im voraus der Ungarn Leichen
- Symbolik
- Wolf und Bär und Fuchs und Eul und Geier
- Vergleich
- Von dem Sand hebt und im Strom es fortführt