Bologna

Ludwig Tieck

1828

Zu dir wall′ ich, alte Stadt, Um den alten Goldschmidt, Den theuren Freund, Näher und näher zu kennen.

Welch kühnes Wollen Verkünden uns hier die Bilder Francia′s! Edler Greis, Der du so sehnsüchtig Ein Werk des verwandten Größern Rafaels erharrtest.

Wer darf die Kunst ausmessen Und ihre Grenzen ziehn? Wer kann die Ewigkeit beschränken? – Nur wer die kleine Gegenwart Als den Mittelpunkt alles Daseyns erkennt.

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Illustration zu Bologna

Interpretation

Das Gedicht "Bologna" von Ludwig Tieck beschreibt die Reise des lyrischen Ichs in die alte Stadt Bologna, um einen alten Goldschmied, einen lieben Freund, näher kennenzulernen. Der Goldschmied wird als ein edler Greis dargestellt, der sehnsüchtig auf ein Werk des großen Künstlers Raffael wartet. Das Gedicht thematisiert die Bewunderung für die Kunst und die Frage nach ihren Grenzen und der Ewigkeit. Im zweiten Teil des Gedichts richtet sich das lyrische Ich an den Goldschmied und preist seine kühne Entschlossenheit, die in den Bildern des französischen Künstlers Francia zum Ausdruck kommt. Der Goldschmied wird als ein geduldiger und bewundernswerter Mensch dargestellt, der auf ein Werk Raffael's wartet und dabei seine eigene Kunstfertigkeit und Leidenschaft für die Kunst zum Ausdruck bringt. Im letzten Teil des Gedichts stellt das lyrische Ich die Frage, wer die Kunst messen und ihre Grenzen ziehen kann. Es wird betont, dass nur derjenige die Ewigkeit begrenzen kann, der die Gegenwart als den Mittelpunkt allen Seins erkennt. Das Gedicht endet mit einer philosophischen Betrachtung über die Kunst und ihre Unbegrenztheit sowie die Bedeutung der Gegenwart als Ausgangspunkt für alles Dasein.

Schlüsselwörter

näher wall alte stadt alten goldschmidt theuren freund

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Stilmittel

Anapher
Näher und näher zu kennen
Hyperbel
Wer kann die Ewigkeit beschränken?
Metapher
Welch kühnes Wollen verkünden uns hier die Bilder Francia's
Personifikation
Welch kühnes Wollen verkünden uns hier die Bilder Francia's