Bös und Gut der Welt
1866Ob diese Welt ist bös, ob gut, das ist die alte Frage. So ist sie, wie dir′s ist zu Mut an gut und bösem Tage.
Drum, wenn sie dir gut erscheint, o mache sie nicht schlimmer; und meine, wenn sie′s böse meint, nur gut mit ihr es immer.
Sie ist nicht bös und ist nicht gut, ist gut zugleich und böse. Vertrau auf den, der Wunder tut, dass er den Zwiespalt löse!
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Interpretation
Das Gedicht "Bös und Gut der Welt" von Friedrich Rückert handelt von der Ambivalenz der Welt und der menschlichen Wahrnehmung. Rückert stellt die alte Frage nach dem Wesen der Welt, ob sie gut oder böse sei, und kommt zu dem Schluss, dass die Welt so ist, wie man sich zu ihr fühlt. Er betont die subjektive Natur der Wahrnehmung und rät dazu, die Welt nicht zu verschlimmern, wenn sie einem gut erscheint, und auch in schwierigen Zeiten immer das Gute darin zu sehen. In den folgenden Strophen vertieft Rückert die Idee, dass die Welt weder rein gut noch rein böse ist, sondern beides zugleich. Er fordert den Leser auf, auf einen höheren, wundertätigen Gott zu vertrauen, der den Zwiespalt zwischen Gut und Böse auflösen kann. Das Gedicht spiegelt eine philosophische Haltung wider, die die Komplexität der Welt anerkennt und gleichzeitig Hoffnung auf eine höhere Ordnung oder Lösung bietet. Die Sprache des Gedichts ist einfach und direkt, was die tiefgründigen Gedanken zugänglich macht. Rückert verwendet eine klare, rhythmische Struktur, die den Leser durch die Überlegungen führt. Die Botschaft des Gedichts ist zeitlos und ermutigt dazu, eine ausgewogene Perspektive auf die Welt zu bewahren und in allem, auch im Widerspruch, einen Sinn zu suchen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Appell
- Vertrau auf den, der Wunder tut, dass er den Zwiespalt löse!
- Frage
- Ob diese Welt ist bös, ob gut, das ist die alte Frage.
- Gleichnis
- So ist sie, wie dir's ist zu Mut an gut und bösem Tage.
- Imperativ
- Drum, wenn sie dir gut erscheint, o mache sie nicht schlimmer;
- Kontrast
- und meine, wenn sie's böse meint, nur gut mit ihr es immer.
- Paradoxon
- Sie ist nicht bös und ist nicht gut, ist gut zugleich und böse.