Blödigkeit
1770Sind denn dir nicht bekannt viele Lebendigen? Geht auf Wahrem dein Fuß nicht, wie auf Teppichen? Drum, mein Genius! tritt nur Bar ins Leben, und sorge nicht!
Was geschiehet, es sei alles gelegen dir! Sei zur Freude gereimt, oder was könnte denn Dich beleidigen, Herz, was Da begegnen, wohin du sollst?
Denn, seit Himmlischen gleich Menschen, ein einsam Wild, Und die Himmlischen selbst führet, der Einkehr zu, Der Gesang und der Fürsten Chor, nach Arten, so waren auch
Wir, die Zungen des Volks, gerne bei Lebenden, Wo sich vieles gesellt, freudig und jedem gleich, Jedem offen, so ist ja Unser Vater, des Himmels Gott,
Der den denkenden Tag Armen und Reichen gönnt, Der, zur Wende der Zeit, uns die Entschlafenden Aufgerichtet an goldnen Gängelbanden, wie Kinder, hält.
Gut auch sind und geschickt einem zu etwas wir, Wenn wir kommen, mit Kunst, und von den Himmlischen Einen bringen. Doch selber Bringen schickliche Hände wir.
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Interpretation
Das Gedicht "Blödigkeit" von Friedrich Hölderlin ist eine Aufforderung, mutig und unbekümmert ins Leben zu treten. Hölderlin betont, dass das Leben wie ein Teppich sei, auf dem man sicher gehen kann, und dass man sich nicht vor den Begegnungen und Erfahrungen fürchten soll. Das Gedicht vermittelt eine optimistische Botschaft, dass alles, was geschieht, akzeptiert und als Teil des Lebens betrachtet werden sollte. Hölderlin ruft dazu auf, das Herz für die Freuden des Lebens zu öffnen und sich nicht durch mögliche Beleidigungen oder Herausforderungen entmutigen zu lassen. In der zweiten Strophe erweitert Hölderlin diese Idee, indem er die Beziehung zwischen den Menschen und den Himmlischen beschreibt. Er stellt fest, dass sowohl Menschen als auch Himmlische in ihrer Einsamkeit und ihrem Streben nach Einkehr ähnlich sind. Hölderlin betont die Bedeutung der Gemeinschaft und der Offenheit für alle, da Gott, der Vater des Himmels, sowohl den Armen als auch den Reichen den denkenden Tag gewährt. Er beschreibt, wie Gott die Entschlafenen wie Kinder an goldenen Gängelbanden hält, was eine liebevolle und fürsorgliche Beziehung zwischen Gott und den Menschen symbolisiert. In der letzten Strophe hebt Hölderlin die Rolle der Menschen als Zungen des Volkes hervor. Er betont, dass die Menschen gut und geschickt sind, wenn sie mit Kunst und den Himmlischen kommen, um etwas zu bringen. Allerdings weist er darauf hin, dass die Menschen selbst nicht in der Lage sind, geeignete Hände zu bringen. Dies könnte als Hinweis darauf interpretiert werden, dass die Menschen zwar fähig sind, Kunst und himmlische Inspiration zu empfangen, aber nicht in der Lage sind, die göttliche Kraft vollständig zu verkörpern oder zu kontrollieren. Das Gedicht endet mit einer subtilen Erinnerung an die Grenzen menschlicher Fähigkeiten und die Notwendigkeit, sich auf die göttliche Führung zu verlassen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Gut auch sind und geschickt einem zu etwas wir
- Apostrophe
- Drum, mein Genius! tritt nur Bar ins Leben, und sorge nicht!
- Bild
- nach Arten, so waren auch Wir, die Zungen des Volks, gerne bei Lebenden
- Imperativ
- Tritt nur Bar ins Leben, und sorge nicht!
- Kontrast
- Doch selber Bringen schickliche Hände wir
- Metapher
- mit Kunst, und von den Himmlischen Einen bringen
- Parallelismus
- Jedem offen, so ist ja Unser Vater, des Himmels Gott
- Rhetorische Frage
- Was geschiehet, es sei alles gelegen dir! Sei zur Freude gereimt, oder was könnte denn Dich beleidigen, Herz, was Da begegnen, wohin du sollst?