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Blick ins Licht

Von

Still von Baum zu Bäumen schaukeln
meinen Kahn die Uferwellen;
märchenblütenblau umgaukeln
meine Fahrt die Schilflibellen,
Schatten küssen den Boden der Flut.

Durch die dunkle Wölbung der Erlen
– welch ein funkelndes Verschwenden –
streut die Sonne mit goldenen Händen
silberne Perlen
in die smaragdenen Wirbel der Flut.

Durch die Flucht der Strahlen schweben
bang nach oben meine Träume,
wo die Bäume
ihre krausen Häupter heben
in des Himmels ruhige Flut.

Und in leichtem, lichtem Kreise
weht ein Blatt zu meinen Füßen
nieder; und des Friedens leise
weiße Taube seh ich grüßen,
fernher grüßen
meiner Seele dunkle Flut.

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Gedicht: Blick ins Licht von Richard Dehmel

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Blick ins Licht“ von Richard Dehmel zeichnet ein idyllisches Landschaftsbild, das von Ruhe und Schönheit geprägt ist, und verbindet dieses Naturbild mit der Sehnsucht nach Erleuchtung und Frieden. Das Gedicht beginnt mit der sanften Bewegung des Kahns zwischen Bäumen, wobei die Natur durch die Schilflibellen und die küssenden Schatten belebt wird. Der ruhige Fluss und die beschreibenden Adjektive wie „märchenblütenblau“ und „smaragden“ evozieren eine friedvolle Atmosphäre, in der die Natur in harmonischer Eintracht mit dem lyrischen Ich steht.

Der zweite Teil des Gedichts markiert einen Wechsel, indem die Sonne als Quelle des Lichts und der Schönheit hervorgehoben wird. Die „goldenen Händen“ der Sonne verstreuen „silberne Perlen“ in das smaragdgrüne Wasser. Dieser Abschnitt deutet auf eine Erweckung des lyrischen Ichs hin, das die Pracht und Fülle der Natur wahrnimmt. Die poetische Verwendung von Licht und Farben verstärkt das Gefühl der Schönheit und Unbeschwertheit. Die „dunkle Wölbung der Erlen“ kontrastiert mit der Helligkeit des Sonnenlichts und verdeutlicht das Spiel von Schatten und Licht, das für die gesamte Stimmung des Gedichts zentral ist.

Der dritte Abschnitt des Gedichts zeigt eine Sehnsucht nach Erhebung und Erleuchtung. Die Träume des lyrischen Ichs steigen „bang nach oben“, wo die Bäume ihre „krausen Häupter heben“ in den Himmel. Dies deutet auf eine spirituelle Suche nach etwas Höherem hin. Die „ruhige Flut“ des Himmels symbolisiert Frieden und Gelassenheit, wonach sich das lyrische Ich sehnt. Die Bäume, die im Himmel wurzeln, stellen eine Verbindung zwischen der irdischen und der himmlischen Welt dar.

Im letzten Teil des Gedichts kommt ein Blatt sanft zu den Füßen des lyrischen Ichs, und eine „weiße Taube“ wird gesehen. Diese Bilder symbolisieren Frieden und Reinheit. Die Taube als Friedenssymbol und das fallende Blatt, das als Zeichen des Abschieds oder der Vergänglichkeit interpretiert werden kann, lenken die Aufmerksamkeit auf die „dunkle Flut“ der Seele. Das Gedicht endet mit einem Gefühl des Friedens, der durch das Sehen der Taube und die Verbindung zur eigenen Seele in der ruhigen Umgebung der Natur gewonnen wird. Das Gedicht feiert die Harmonie zwischen Natur und Seele und die Suche nach innerem Frieden durch das Erleben von Schönheit und Licht.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.