Blick ins Licht
1863Still von Baum zu Bäumen schaukeln meinen Kahn die Uferwellen; märchenblütenblau umgaukeln meine Fahrt die Schilflibellen, Schatten küssen den Boden der Flut.
Durch die dunkle Wölbung der Erlen - welch ein funkelndes Verschwenden - streut die Sonne mit goldenen Händen silberne Perlen in die smaragdenen Wirbel der Flut.
Durch die Flucht der Strahlen schweben bang nach oben meine Träume, wo die Bäume ihre krausen Häupter heben in des Himmels ruhige Flut.
Und in leichtem, lichtem Kreise weht ein Blatt zu meinen Füßen nieder; und des Friedens leise weiße Taube seh ich grüßen, fernher grüßen meiner Seele dunkle Flut.
Anhören
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Blick ins Licht" von Richard Dehmel beschreibt eine meditative Reise auf einem Fluss, die von einem tiefen Gefühl der Ruhe und der Verbundenheit mit der Natur geprägt ist. Die Szenerie ist idyllisch und von einer fast märchenhaften Schönheit durchdrungen. Der Sprecher befindet sich in einem Boot, das sanft von den Wellen an den Ufern geschaukelt wird, während ergeben sich eine Fülle von lebendigen Bildern, die den Leser in eine Welt der Stille und des Friedens eintauchen lassen. Die Natur wird in diesem Gedicht als lebendig und voller Symbolik dargestellt. Die Libellen umgeben das Boot wie blühende Märchenblüten, und die Schatten küssen den Grund des Wassers. Die Sonne, die durch die Erlenzweige bricht, wird als verschwenderische Kraft beschrieben, die mit goldenen Händen silberne Perlen in die smaragdgrünen Wirbel des Flusses wirft. Diese Bilder vermitteln eine Atmosphäre von Überfluss und Schönheit, die den Sprecher in seinen Bann zieht. Die Träume des Sprechers schweben ängstlich nach oben, in Richtung der Baumwipfel, die sich wie gekräuselte Häupter in den Himmel recken. Dieser Himmel wird als ruhige Flut beschrieben, was die Vorstellung von einer unendlichen Weite und Tiefe verstärkt. Die Reise scheint nicht nur physisch, sondern auch geistig zu sein, da der Sprecher in eine Welt der Kontemplation und des inneren Friedens eintaucht. Am Ende des Gedichts sinkt ein Blatt sanft zu den Füßen des Sprechers herab, und eine weiße Taube, das Symbol des Friedens, grüßt aus der Ferne. Diese Taube scheint die Seele des Sprechers zu begrüßen, die als dunkle Flut beschrieben wird, was auf eine tiefe, vielleicht unergründliche emotionale Tiefe hindeutet. Das Gedicht endet mit einem Gefühl der Versöhnung und des inneren Friedens, das durch die Verbindung mit der Natur und dem Licht erreicht wird.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- und des Friedens leise weiße Taube seh ich grüßen
- Personifikation
- meiner Seele dunkle Flut