Blick in den Strom
1844Sahst du ein Glück vorübergehn, Das nie sich wiederfindet, Ists gut in einen Strom zu sehn, Wo alles wogt und schwindet.
O! starre nur hinein, hinein, Du wirst es leichter missen, Was dir, und solls dein Liebstes sein, Vom Herzen ward gerissen.
Blick unverwandt hinab zum Fluß, Bis deine Tränen fallen, Und sieh durch ihren warmen Guß Die Flut hinunterwallen.
Hinträumend wird Vergessenheit Des Herzens Wunde schließen; Die Seele sieht mit ihrem Leid Sich selbst vorüberfließen.
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Interpretation
Das Gedicht "Blick in den Strom" von Nikolaus Lenau handelt von der Vergänglichkeit des Glücks und der Möglichkeit, durch den Anblick eines fließenden Wassers Trost zu finden. Der erste Vers deutet darauf hin, dass das Glück vorbeigeht und nicht wiederzufinden ist, aber es ist gut, in einen Strom zu schauen, wo alles in Bewegung ist und vergeht. Der zweite Vers betont die Idee, dass es leichter ist, etwas zu vermissen, wenn man in einen Strom schaut. Das, was einem am Herzen liegt und einem genommen wurde, wird durch den Anblick des fließenden Wassers leichter zu akzeptieren sein. Der dritte Vers fordert den Leser auf, ununterbrochen in den Fluss zu blicken, bis die Tränen fallen, und dann den Wasserfluss zu beobachten. Im letzten Vers wird die Vorstellung von Vergessenheit als Heilung für die Wunden des Herzens präsentiert. Die Seele, die ihr eigenes Leid sieht, wird durch den Anblick des vorbeifließenden Wassers in der Lage sein, loszulassen und weiterzugehen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Die Beschreibung des Blicks in den Strom, wo 'alles wogt und schwindet'.
- Imperativ
- Die Aufforderung, 'hinein' zu starren und 'hinab zum Fluß' zu blicken.
- Kontrast
- Der Kontrast zwischen dem flüchtigen Glück und dem beständigen Strom.
- Metapher
- Die Tränen werden als 'warmen Guß' beschrieben, der die Flut hinunterwallen lässt.
- Personifikation
- Die 'Vergessenheit' wird als etwas dargestellt, das die 'Herzenswunde schließen' kann.
- Symbolik
- Die Seele, die 'mit ihrem Leid sich selbst vorüberfließen' sieht, symbolisiert den Prozess des Loslassens und Vergessens.