Blaue Hortensie
1907So wie das letzte Grün in Farbentiegeln sind diese Blätter, trocken, stumpf und rauh, hinter den Blütendolden, die ein Blau nicht auf sich tragen, nur von ferne spiegeln.
Sie spiegeln es verweint und ungenau, als wollten sie es wiederum verlieren, und wie in alten blauen Briefpapieren ist Gelb in ihnen, Violett und Grau;
Verwaschenes wie an einer Kinderschürze, Nichtmehrgetragenes, dem nichts mehr geschieht: wie fühlt man eines kleinen Lebens Kürze.
Doch plötzlich scheint das Blau sich zu verneuen in einer von den Dolden, und man sieht ein rührend Blaues sich vor Grünem freuen.
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Interpretation
Das Gedicht "Blaue Hortensie" von Rainer Maria Rilke handelt von der Vergänglichkeit und dem flüchtigen Wesen des Lebens, symbolisiert durch die blaue Hortensie. Die Pflanze wird als welk und farblos beschrieben, wobei ihre Blätter trocken, stumpf und rau sind. Die Blütendolden spiegeln nur ein verblasstes Blau wider, das an verweinte und ungenaue Erinnerungen erinnert. Die Farben Gelb, Violett und Grau in den Blättern symbolisieren das Verwaschene und Vergangene, wie auf einer alten Kinderschürze. Das Gedicht reflektiert über die Kürze des Lebens und die Vergänglichkeit der Schönheit. Die Hortensie wird als etwas Vergangenes dargestellt, das nicht mehr getragen wird und dem nichts mehr geschieht. Doch plötzlich scheint das Blau sich in einer der Dolden zu erneuern, was ein Zeichen der Hoffnung und des Neubeginns ist. Dieses erneuerte Blau wird als rührend und freudig beschrieben, das sich vor dem Grün der Blätter entfaltet. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine melancholische Stimmung, die von der Vergänglichkeit und dem flüchtigen Wesen des Lebens geprägt ist. Gleichzeitig gibt es jedoch einen Hauch von Hoffnung und Neubeginn, der durch das erneuerte Blau in der Hortensie symbolisiert wird. Das Gedicht lädt den Leser dazu ein, über die Vergänglichkeit des Lebens nachzudenken und die Schönheit in den kleinen Momenten des Neubeginns zu erkennen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildlichkeit
- So wie das letzte Grün in Farbentiegeln sind diese Blätter, trocken, stumpf und rauh
- Farbsymbolik
- hinter den Blütendolden, die ein Blau nicht auf sich tragen, nur von ferne spiegeln
- Kontrast
- Doch plötzlich scheint das Blau sich zu verneuen in einer von den Dolden, und man sieht ein rührend Blaues sich vor Grünem freuen
- Metapher
- So wie das letzte Grün in Farbentiegeln
- Personifikation
- als wollten sie es wiederum verlieren
- Vergleich
- Nichtmehrgetragenes, dem nichts mehr geschieht