Sei gesund, nicht öfter krank,
Als die Sterblichkeit es bringt.
Nie erfahre Trug und Rank,
Der mit Schlangenring umschlingt.
Zwist und Zwietracht, zäher Zank
Bleib‘ auf weite Meilen fern.
Ernte Dank und zolle Dank,
Diene gern, nimm Gabe gern.
Freue dich an Spiel und Schwank,
Fröhlich sei zur guten Stund‘,
Aber ernst und ohne Wank
Ankre in des Lebens Grund.
Sag‘ die Wahrheit frei und frank,
Hell, mit mildem Blick und Mund.
Lerne gern, die Schülerbank
Ziemt uns, nimmer lernt man aus;
Der Gedanke, rein und schlank,
Hebt den Geist aus Qualm und Graus.
Halte deine Seele blank.
Blanka E. ins Stammbuch
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Blanka E. ins Stammbuch“ von Friedrich Theodor Vischer ist eine Sammlung von Wünschen und Ratschlägen, die in Form einer Stammbucheintragung verfasst wurden. Es ist ein Klassiker, der durch seine schlichte Sprache und die klaren, moralischen Appelle besticht. Das Gedicht ist in kurze Strophen mit jeweils vier Zeilen unterteilt, was dem Leser einen leicht verständlichen Rhythmus bietet und die verschiedenen Ratschläge prägnant hervorhebt. Es ist eine Art Lebenswegweiser, der sowohl allgemeine Lebensweisheiten als auch spezifische Ratschläge für ein erfülltes Leben beinhaltet.
Vischer wünscht Blanka vor allem Gesundheit und ein Leben frei von negativen Einflüssen wie Trug, Zwietracht und Zank. Diese Wünsche spiegeln eine Sehnsucht nach einem friedlichen und harmonischen Leben wider, in dem Blanka von zwischenmenschlichen Konflikten verschont bleibt. Der Autor betont die Bedeutung von Dankbarkeit und der Fähigkeit, sowohl zu geben als auch zu empfangen. Zudem ermutigt er zu Freude und Leichtigkeit, indem er empfiehlt, sich an Spiel und Spaß zu erfreuen.
Doch das Gedicht beinhaltet auch tiefere, ernste Aspekte des Lebens. Vischer mahnt zur Ernsthaftigkeit in den wichtigen Lebensbereichen und zur Fähigkeit, die grundlegenden Fragen des Lebens zu reflektieren. Er betont die Wichtigkeit von Wahrhaftigkeit und einer offenen Kommunikation. Die Aufforderung „Lerne gern, die Schülerbank / Ziemt uns, nimmer lernt man aus“ unterstreicht die lebenslange Bedeutung des Lernens und der Wissensaneignung. Der abschließende Appell „Halte deine Seele blank“ fasst all diese Ratschläge zusammen und betont die Bedeutung von Integrität, Reinheit und der Pflege der eigenen Seele.
Die Strophen sind nicht nur als einzelne Ratschläge zu verstehen, sondern bilden ein kohärentes Ganzes, das die verschiedenen Aspekte eines erfüllten und sinnvollen Lebens beleuchtet. Die ausgewogene Mischung aus Freude und Ernsthaftigkeit, aus Dankbarkeit und Fleiß, macht das Gedicht zu einer wertvollen Botschaft. Vischer verpackt seine Ratschläge in eine einfache, leicht verständliche Sprache, die es dem Leser ermöglicht, sich mit den Inhalten zu identifizieren und sie in seinem eigenen Leben umzusetzen. Das Gedicht ist ein zeitloses Zeugnis humanistischer Werte und ein Aufruf zu einem bewussten und authentischen Leben.
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Lizenz und Verwendung
Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.
