Blanka E. ins Stammbuch

Friedrich Theodor Vischer

1807

Sei gesund, nicht öfter krank, Als die Sterblichkeit es bringt. Nie erfahre Trug und Rank, Der mit Schlangenring umschlingt. Zwist und Zwietracht, zäher Zank Bleib’ auf weite Meilen fern. Ernte Dank und zolle Dank, Diene gern, nimm Gabe gern. Freue dich an Spiel und Schwank, Fröhlich sei zur guten Stund’, Aber ernst und ohne Wank Ankre in des Lebens Grund. Sag’ die Wahrheit frei und frank, Hell, mit mildem Blick und Mund. Lerne gern, die Schülerbank Ziemt uns, nimmer lernt man aus; Der Gedanke, rein und schlank, Hebt den Geist aus Qualm und Graus. Halte deine Seele blank.

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Illustration zu Blanka E. ins Stammbuch

Interpretation

Das Gedicht "Blanka E. ins Stammbuch" von Friedrich Theodor Vischer ist eine Sammlung von Ratschlägen und Wünschen, die der Autor seiner vermutlich jungen Adressatin mit auf den Lebensweg gibt. Die Verse sind geprägt von einem moralischen und erzieherischen Ton, der darauf abzielt, ein ausgewogenes und tugendhaftes Leben zu führen. Vischer betont die Wichtigkeit von Gesundheit, Ehrlichkeit und Dankbarkeit, während er vor den Fallstricken des Lebens wie Täuschung, Zwietracht und Leichtfertigkeit warnt. Die Sprache ist dabei klar und direkt, was die Ernsthaftigkeit der Botschaften unterstreicht. Im zweiten Teil des Gedichts lenkt Vischer den Fokus auf die Bedeutung von Bildung und geistiger Entwicklung. Er ermutigt dazu, stets lernbereit zu bleiben und den Geist durch reine und klare Gedanken zu heben. Dies wird als ein Weg dargestellt, um sich von den negativen Einflüssen der Welt zu befreien. Die Metapher des "blanken" Seelen deutet auf die Notwendigkeit hin, sich selbst treu zu bleiben und die innere Reinheit zu bewahren. Vischer verbindet hier die Idee des lebenslangen Lernens mit der Pflege der eigenen Seele, was auf eine ganzheitliche Sichtweise des persönlichen Wachstums hindeutet. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine Balance zwischen Freude am Leben und der Verantwortung, die mit dem Erwachsenwerden einhergeht. Vischer fordert dazu auf, das Leben in vollen Zügen zu genießen, aber dabei nie die grundlegenden Werte und die eigene Integrität aus den Augen zu verlieren. Die abschließende Aufforderung, "deine Seele blank zu halten", fasst die Essenz des Gedichts zusammen: ein Leben in Ehrlichkeit, Offenheit und ständiger Selbstreflexion.

Schlüsselwörter

gern dank gesund öfter krank sterblichkeit bringt nie

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Stilmittel

Alliteration
[Sei gesund, nicht öfter krank Zwist und Zwietracht, zäher Zank Diene gern, nimm Gabe gern Freue dich an Spiel und Schwank Andern gern, die Schülerbank Der Gedanke, rein und schlank]
Hyperbel
[Niemals lernt man aus]
Kontrast
[Fröhlich sei zur guten Stund', Aber ernst und ohne Wank]
Metapher
[Der mit Schlangenring umschlingt Ankre in des Lebens Grund]
Personifikation
[Der Gedanke, rein und schlank, Hebt den Geist aus Qualm und Graus]
Wiederholung
[Sei gesund Diene gern, nimm Gabe gern Halte deine Seele blank]