Bitten
1769Gott, deine Güte reicht so weit, So weit die Wolken gehen; Du krönst uns mit Barmherzigkeit, Und eilst, uns beizustehen. Herr, meine Burg, mein Fels, mein Hort, Vernimm mein Flehn, merk auf mein Wort, Denn ich will vor dir beten!
Ich bitte nicht um Überfluß Und Schätze dieser Erden. Laß mir, so viel ich haben muß, Nach deiner Gnade werden. Gib mir nur Weisheit und Verstand, Dich, Gott, und den, den du gesandt, Und mich selbst zu erkennen.
Ich bitte nicht um Ehr und Ruhm, So sehr sie Menschen rühren; Des guten Namens Eigentum Laß mich nur nicht verlieren. Mein wahrer Ruhm sei meine Pflicht, Der Ruhm vor deinem Angesicht, Und frommer Freunde Liebe.
So bitt ich dich, Herr Zebaoth, Auch nicht um langes Leben. Im Glücke Demut, Mut in Not, Das wolltest du mir geben. In deiner Hand steht meine Zeit; Laß du mich nur Barmherzigkeit Vor dir im Tode finden.
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Interpretation
Das Gedicht "Bitten" von Christian Fürchtegott Gellert ist ein tiefgründiges Gebet, das die Demut und den Glauben des Dichters an Gott zum Ausdruck bringt. Gellert betont die unendliche Güte Gottes, die so weit reicht wie die Wolken, und bittet um göttliche Barmherzigkeit und Unterstützung. Er sieht Gott als seine Burg, seinen Fels und seinen Hort und fleht um Aufmerksamkeit für seine Worte und Gebete. In den folgenden Strophen verdeutlicht Gellert seine bescheidenen Wünsche. Er bittet nicht um materiellen Überfluss oder irdische Schätze, sondern um das, was er nach Gottes Gnade benötigt. Weisheit und Verstand sind ihm wichtiger als Reichtum, und er strebt danach, Gott, den von Gott gesandten und sich selbst zu erkennen. Der Dichter legt Wert auf einen guten Namen und sieht seine Pflicht als wahren Ruhm vor Gott und die Liebe frommer Freunde als höchste Ziele. Im letzten Teil des Gedichts wendet sich Gellert an den Herrn Zebaoth und bittet nicht um ein langes Leben. Stattdessen wünscht er sich Demut im Glück und Mut in der Not, was er als göttliche Gaben ansieht. Er überlässt die Länge seines Lebens in Gottes Hand und hofft, am Ende seines Lebens Barmherzigkeit vor Gott zu finden. Das Gedicht ist eine bewegende Darstellung eines gläubigen Menschen, der in allen Lebenslagen auf Gott vertraut und seine Wünsche in Einklang mit dem göttlichen Willen bringt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Des guten Namens Eigentum
- Anapher
- Ich bitte nicht um Ehr und Ruhm
- Apostrophe
- Herr, meine Burg, mein Fels, mein Hort
- Hyperbel
- Gott, deine Güte reicht so weit, so weit die Wolken gehen
- Kontrast
- Im Glücke Demut, Mut in Not
- Metapher
- Gott, deine Güte reicht so weit, so weit die Wolken gehen
- Metonymie
- Des guten Namens Eigentum
- Parallelismus
- Ich bitte nicht um Überfluß und Schätze dieser Erden
- Personifikation
- Du krönst uns mit Barmherzigkeit
- Symbolik
- Herr, meine Burg, mein Fels, mein Hort