Bitte
1857Dir, Satan, Lob und Preis im hohen Himmelszelt, Wo du geherrscht dereinst, bis zu der finstren Welt, Wo du besiegt nun ruhst und träumst in tiefem Schweigen! Lass meine Seele sich ganz nahe zu dir neigen, Wenn der Erkenntnisbaum sein üppiges Geäst Hoch über deinem Haupt zum Tempel werden lässt!
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Interpretation
Das Gedicht "Bitte" von Charles-Pierre Baudelaire ist eine Anrufung Satans, die eine komplexe und ambivalente Beziehung zum Teufel zum Ausdruck bringt. Der Sprecher richtet Lob und Preis an Satan im Himmel, wo er einst herrschte, bevor er in die finstere Welt verbannt wurde. Diese Anrufung scheint eine Mischung aus Bewunderung und Mitleid zu sein, da der Sprecher Satan als einen gefallenen Herrscher darstellt, der nun besiegt und in tiefem Schweigen träumt. Die Bitte des Sprechers, dass seine Seele sich Satan nahe neigen möge, deutet auf eine tiefe Verbundenheit oder Identifikation mit dem Teufel hin. Dies könnte als Ausdruck einer Ablehnung der traditionellen christlichen Werte und einer Hinwendung zu einer alternativeren, möglicherweise dunkleren Spiritualität interpretiert werden. Die Erwähnung des "Erkenntnisbaumes" und seines "üppigen Geästs", das sich über Satans Haupt zum Tempel entwickelt, könnte als Symbol für das Streben nach Wissen und Erkenntnis dienen, das über die konventionellen religiösen Grenzen hinausgeht. Insgesamt präsentiert das Gedicht eine faszinierende und provokante Perspektive auf Satan, die sowohl seine Macht als auch sein Leid anerkennt. Es lädt den Leser dazu ein, über die Natur des Bösen, der Rebellion und des Strebens nach Wissen nachzudenken, und stellt dabei traditionelle religiöse Konzepte in Frage.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Dir, Satan, Lob und Preis im hohen Himmelszelt, Wo du geherrscht dereinst, bis zu der finstren Welt, Wo du besiegt nun ruhst und träumst in tiefem Schweigen!
- Apostrophe
- Dir, Satan, Lob und Preis im hohen Himmelszelt
- Metapher
- Erkenntnisbaum sein üppiges Geäst
- Personifikation
- Wo du besiegt nun ruhst und träumst in tiefem Schweigen