Bindebrieff
1889Diese Sitten, diese Gaben, Diese keusche Freundlichkeit, Welcher Glantz euch hat erhaben, Daß ihr Liebens würdig seyd, Uebertrifft der Sachen Preiß, Die man sonst zu finden weiß.
Doch mein williges Gemühte, Darmit ich euch zugethan, Uebertrifft deß Bandes Güte, Welches ich jetzt knüpffen kan; Weil der Sinn nun nicht gebricht, So verschmeht das Band auch nicht.
Gott, der euch die Ziehr gegeben, Lasse den gewündschten Tag Euch mit Freuden bald erleben, Daß ein Band euch binden mag, Das vom Himmel selbst erkiest Und der Schönheit würdig ist.
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Interpretation
Das Gedicht "Bindebrieff" von Martin Opitz ist ein Liebesgedicht, das die Bewunderung des lyrischen Ichs für die Tugenden und die Schönheit des Geliebten zum Ausdruck bringt. Die ersten beiden Strophen loben die Sitten, Gaben und die keusche Freundlichkeit der Geliebten, die sie liebenswürdig machen. Das lyrische Ich betont, dass diese Eigenschaften den Wert aller anderen Dinge übersteigen. In der zweiten Strophe geht es um die innere Verbundenheit des lyrischen Ichs mit der Geliebten. Die "willige Gemüte" des Ichs ist bereit, sich mit der Geliebten zu verbinden, und diese innere Neigung übertrifft die Güte des äußeren Bandes, das das Ich knüpfen kann. Das Band wird als Symbol für die Verbindung zwischen den Liebenden gesehen. Die dritte Strophe ist ein Gebet an Gott, der der Geliebten ihre Schönheit verliehen hat. Das lyrische Ich bittet Gott, den Geliebten bald den ersehnten Tag erleben zu lassen, an dem ein Band sie verbindet. Dieses Band soll vom Himmel selbst erwählt sein und der Schönheit der Geliebten würdig sein. Das Gedicht endet mit dem Wunsch nach einer himmlischen Verbindung, die die irdische Liebe krönt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Diese Sitten, diese Gaben
- Hyperbel
- Uebertrifft der Sachen Preiß, Die man sonst zu finden weiß
- Metapher
- Welcher Glantz euch hat erhaben
- Personifikation
- Gott, der euch die Ziehr gegeben
- Reimschema
- AABB