Bin ich in später Nacht allein

Hermann Ludwig Allmers

1821

Bin ich in später Nacht allein, Wenn alles ruht, wenn alles schweigt, O wie sich dann mein ganzes Sein Zu dir mit Macht hinüber neigt! Und wieder kommt dein liebes Bild Hold lächelnd wie an jenen Tagen, Und nickt mir zu, als spräch es mild: “Mein armer Junge, laß dein Klagen! Noch bist du mein, noch bin ich dein, Schütt aus dein Herz an meinem Herzen, Vergessen wirst du alle Pein Und alle noch so herben Schmerzen.” -

Einst hast du oft dies Wort gesagt, Mich dann gestreichelt und umschlungen, Wenn ich in trüber Zeit geklagt, Wenn ich mit Sorgen bang gerungen. Nun bist du fort, nun bist du fern, Wie hat sich alles nun gewendet, Doch immer bist du noch ein Stern, Der seine schönen Strahlen sendet, Denn immer kommt dein liebes Bild, Hold lächelnd wie in jenen Tagen, Und nickt mir zu, als spräch es mild: “Mein armer Junge, laß dein Klagen!”

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Illustration zu Bin ich in später Nacht allein

Interpretation

Das Gedicht "Bin ich in später Nacht allein" von Hermann Ludwig Allmers ist ein sehnsuchtsvolles und melancholisches Werk, das die tiefe Verbundenheit des lyrischen Ichs mit einer geliebten Person zum Ausdruck bringt. Die nächtliche Einsamkeit dient als Rahmen für die innere Reise des Sprechers, der sich in der Stille und Ruhe intensiv an die Vergangenheit erinnert. Die Nacht wird zum Raum der Introspektion und des emotionalen Rückzugs, in dem die Erinnerungen besonders lebendig und gegenwärtig werden. Die wiederkehrende Erscheinung des "lieben Bildes" der geliebten Person symbolisiert die ungebrochene Kraft der Erinnerung und die beständige Präsenz der verlorenen Liebe im Inneren des Sprechers. Die Person erscheint lächelnd und spricht tröstende Worte, die an frühere Momente der Nähe und Zärtlichkeit erinnern. Diese Worte – "Mein armer Junge, laß dein Klagen!" – sind ein wiederkehrendes Motiv, das sowohl die Fürsorglichkeit der Geliebten als auch die anhaltende emotionale Abhängigkeit des Sprechers unterstreicht. Trotz der räumlichen und zeitlichen Distanz, die durch den Verlust oder die Trennung entstanden ist, bleibt die Geliebte für das lyrische Ich ein leuchtender "Stern", der Trost und Orientierung spendet. Die Wiederholung der tröstenden Worte am Ende des Gedichts betont die Beständigkeit dieser inneren Verbindung und die Hoffnung, dass die Erinnerung an die Liebe Schmerz und Sorgen lindern kann. Das Gedicht vermittelt eine Stimmung der wehmütigen Sehnsucht, aber auch der Dankbarkeit für die unvergängliche Wirkung der verlorenen Liebe.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Anspielung
Einst hast du oft dies Wort gesagt, Mich dann gestreichelt und umschlungen
Bildsprache
Und wieder kommt dein liebes Bild Hold lächelnd wie an jenen Tagen
Metapher
Wie sich dann mein ganzes Sein Zu dir mit Macht hinüber neigt!
Personifikation
Wenn alles ruht, wenn alles schweigt
Symbolik
Doch immer bist du noch ein Stern, Der seine schönen Strahlen sendet
Wiederholung
Und nickt mir zu, als spräch es mild: "Mein armer Junge, laß dein Klagen!"