Besuch

Stefan George

1868

Sanftere sonne fällt schräg Durch deiner mauer scharten In deinen kleinen garten Und dein haus am gehäg.

Schwirren die vögel im plan, Regen sträuche die ruten : Ziehen nach tagesgluten Erste wandrer die bahn.

Fülle die eimer nun strack! Netze im pfade die kiese Büsche und beete der wiese Hängros und güldenlack!

Und bei der wand am gestühl Brich den zu wirren eppich! Streue blumen zum teppich! Duftend sei es und kühl

Wenn ER als pilgersmann In solchen dämmerungen Nochmals vielleicht durchdrungen Unsere erde und dann

Überm weg das geäst Teilt mit dem heilgen oden - Er eine Weil deinen boden Tritt und sich niederlässt!

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Illustration zu Besuch

Interpretation

Das Gedicht "Besuch" von Stefan George beschreibt die Vorbereitungen auf den Besuch einer geheimnisvollen, erhabenen Gestalt, die als "ER" bezeichnet wird. Die Stimmung ist von einer stillen, fast sakralen Erwartung geprägt. Der Garten wird als ein Ort der inneren Einkehr und der Begegnung mit dem Transzendenten inszeniert. Die Natur erwacht langsam aus dem Winterschlaf, was durch die schräg fallende Sonne, die flatternden Vögel und das Wachsen der ersten Pflanzen symbolisiert wird. Der Garten wird zum Schauplatz einer spirituellen Erfahrung, in der die Grenzen zwischen dem Irdischen und dem Göttlichen verschwimmen. Die Handlungen im Gedicht – das Auffüllen der Eimer, das Reinigen der Wege, das Arrangieren von Blumen und Kräutern – sind rituelle Vorbereitungen auf den erwarteten Besuch. Die Beschreibung der Blumen und Pflanzen, wie Hängros und Güldenlack, verleiht dem Garten eine fast märchenhafte, verzauberte Atmosphäre. Der Garten wird zum heiligen Raum, in dem sich das Profane und das Heilige begegnen. Die Aufforderung, den Efeu zu brechen und Blumen als Teppich zu streuen, unterstreicht die Absicht, den Raum für den Besucher würdig und wohnlich zu gestalten. Der "ER" wird als Pilgersmann dargestellt, der in den Dämmerungen der Erde wandelt und möglicherweise zum letzten Mal erscheint. Die Verwendung des Wortes "Dämmerungen" deutet auf eine Zeit der Übergänge und des Geheimnisvollen hin. Der Besucher wird als eine heilige Gestalt beschrieben, die mit einem "heiligen Oden" verbunden ist, was auf eine mythische oder göttliche Herkunft hindeutet. Der Moment, in dem er den Boden betritt und sich niederlässt, wird als ein heiliger Akt inszeniert, der den Garten und den Sprecher in einen Zustand der Gnade und des Friedens versetzt. Das Gedicht endet mit der Hoffnung auf eine Begegnung, die sowohl persönlich als auch transzendent ist.

Schlüsselwörter

sanftere sonne fällt schräg mauer scharten kleinen garten

Wortwolke

Wortwolke zu Besuch

Stilmittel

Alliteration
[Sanftere sonne fällt schräg deiner mauer deinen kleinen und dein und dein haus Schwirren die Regen sträuche Ziehen nach Erste wandrer Fülle die Netze im Büsche und bei der Brich den Streue blumen Und bei der Überm weg]
Bildlichkeit
[Sanftere sonne fällt schräg In deinen kleinen garten Schwirren die vögel im plan Regen sträuche die ruten Fülle die eimer nun strack Netze im pfade die kiese Büsche und beete der wiese Und bei der wand am gestühl Brich den zu wirren eppich Streue blumen zum teppich Wenn ER als pilgersmann In solchen dämmerungen Überm weg das geäst Teilt mit dem heilgen oden]
Enjambement
[Sanftere sonne fällt schräg Durch deiner mauer scharten Schwirren die vögel im plan, Regen sträuche die ruten Fülle die eimer nun strack! Netze im pfade die kiese Und bei der wand am gestühl Brich den zu wirren eppich! Wenn ER als pilgersmann In solchen dämmerungen Überm weg das geäst Teilt mit dem heilgen oden]
Personifikation
[Sanftere sonne fällt schräg Schwirren die vögel Regen sträuche die ruten Ziehen nach tagesgluten]
Symbolik
[Sanftere sonne kleine garten haus am gehäg vögel im plan sträuche die ruten tagesgluten eimer kiese Büsche und beete hängros und güldenlack wand am gestühl wirre eppich blumen zum teppich pilgersmann dämmerungen erde weg das geäst heilgen oden]