Besuch

Hanns von Gumppenberg

1830

Nie sind Maiengärten zaubervoller Als zur Nacht, wenn’s fern im Land gewittert, Wenn der Donner summt als leiser Groller, Und der schwüle, schlummertrunkne Holler Unterm weitverirrten Wehen zittert.

An die Pracht der jungen Blütentrauben Rührt der Wetterhauch als sanfter Freier, Kommt zu küssen nur, und nicht zu rauben - Süßer duftet’s aus den dunklen Lauben, Und es wallt wie wunderblaue Schleier.

Flüchtig hebt sich’s wieder dann von hinnen, Kaum daß irgendwo ein Blättchen rauschte - Reglos wieder ruhn die Schläferinnen, Träumend von des Fremdlings kurzem Minnen, Das so scheu und zärtlich sie belauschte.

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Illustration zu Besuch

Interpretation

Das Gedicht "Besuch" von Hanns von Gumppenberg beschreibt eine nächtliche Szene im Maiengarten, in der sich ein Gewitter im Anmarsch befindet. Die Atmosphäre ist von einer magischen, fast surrealen Qualität geprägt, die durch die Beschreibung des fernen Donners und des schwülen, schlummernden Holunders verstärkt wird. Der Holunder wird als zitternd unter dem wehenden Wind dargestellt, was eine lebendige, fast menschliche Qualität in die Natur bringt. Die zweite Strophe konzentriert sich auf die Wirkung des Gewitterhauchs auf die jungen Blüten. Der Hauch wird als sanfter Freier beschrieben, der die Blüten nur küsst, ohne sie zu rauben. Dies verleiht der Szene eine romantische Note, während der Duft aus den dunklen Lauben und das wallende, wunderblaue Schleierbild die sinnliche und visuelle Pracht der Natur betonen. Die Verwendung von Farben und Düften verstärkt die poetische Stimmung. In der letzten Strophe zieht sich der Gewitterhauch wieder zurück, fast unhörbar, und die schlafenden Pflanzen ruhen erneut. Sie träumen von der kurzen, zärtlichen Berührung des Fremdlings, was auf eine flüchtige, aber intensive Verbindung zwischen Natur und Elementen hindeutet. Das Gedicht endet mit einer Reflexion über die Scheu und Zärtlichkeit dieses Besuchs, der zwar kurz war, aber einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

Wortwolke zu Besuch

Stilmittel

Bildlichkeit
Süßer duftet's aus den dunklen Lauben
Metapher
Träumend von des Fremdlings kurzem Minnen
Personifikation
Das so scheu und zärtlich sie belauschte