Bestrafte Falschheit

Adolf Glaßbrenner

1844

Jetzt wollen wir mal singen Das nagelneue Lied, Von einem schmucken Junker, - Ei, ei, vom schmucken Junker! Der sich in Zwei verliebt.

Die Eine war die Freiheit, Die Zweit’ die Höferei; Die Freiheit ließ er fahren, - Ei, ei, die ließ er fahren! Und schwur der Höferei.

Die Höferei frägt leise: Warst du und bleibst mir treu? »Der Schwarze soll mich holen, - Ei, ei, der soll ihn holen! Ich war und bleib’ dir treu!«

Jetzt kriegt er Orden, Degen Und glänzendes Gewand; Es dauert kaum drei Tage, - Ei, ei, kaum dreier Tage! Da reicht sie ihm die Hand.

Doch an dem Hochzeitsfeste, Just bei der Tafellust, Da kam der schwarze Satan, - Ei, ei, der schwarze Satan! Und packt ihn bei der Brust.

»Den Eid hast du gebrochen, Verlassen deine Braut! Der Freiheit bist verlobet, - Ei, ei, der bist verlobet! Der Höferei getraut.«

So nahm er ihn beim Kragen Und fuhr mit ihm hinaus; Die Wittwe aber lachte, - Ei, ei, die Wittwe lachte! Die stummen Gäste aus.

Und ist mein Mann zur Höllen, Hab’ ich doch Gold und Pracht! Und mehr als hundert Buhlen, - Ei, ei, als hundert Buhlen! Bei Tage und bei Nacht!

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Bestrafte Falschheit

Interpretation

Das Gedicht "Bestrafte Falschheit" von Adolf Glasbrenner erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der zwischen zwei Frauen wählt: der Freiheit und der Höferei. Der Protagonist entscheidet sich für die Höferei und schwört ihr Treue, während er die Freiheit fahren lässt. Die Höferei fragt den Junker nach seiner Treue, und er versichert ihr, dass er ihr immer treu bleiben wird. Als Belohnung für seine Treue erhält er Orden, einen Degen und ein glänzendes Gewand. Doch schon nach kurzer Zeit reicht ihm die Höferei die Hand zur Heirat. Auf der Hochzeitsfeier erscheint plötzlich der schwarze Satan und packt den Junker bei der Brust. Er wirft ihm vor, seinen Eid gebrochen und die Freiheit verlassen zu haben. Der Satan nimmt den Junker mit sich fort, während die Witwe, die Höferei, über das Schicksal ihres Mannes lacht. Die Höferei zeigt sich unbeeindruckt vom Verschwinden ihres Mannes und freut sich über ihr Gold, ihre Pracht und die vielen Verehrer, die sie sowohl tagsüber als auch nachts umgeben. Das Gedicht endet mit einer ironischen Note, da die Höferei ihre materialistischen Interessen über die Treue zu ihrem Mann stellt.

Schlüsselwörter

höferei freiheit schwarze tage schmucken junker ließ fahren

Wortwolke

Wortwolke zu Bestrafte Falschheit

Stilmittel

Anapher
Die Freiheit ließ er fahren, - / Ei, ei, die ließ er fahren! / Und schwur der Höferei.
Aufzählung
Jetzt kriegt er Orden, Degen / Und glänzendes Gewand; / Es dauert kaum drei Tage, - / Ei, ei, kaum dreier Tage! / Da reicht sie ihm die Hand.
Direkte Rede
Die Höferei frägt leise: / Warst du und bleibst mir treu? / »Der Schwarze soll mich holen, - / Ei, ei, der soll ihn holen! / Ich war und bleib' dir treu!«
Enjambement
Der Freiheit bist verlobet, - / Ei, ei, der bist verlobet! / Der Höferei getraut.
Hyperbel
Und mehr als hundert Buhlen, - / Ei, ei, als hundert Buhlen! / Bei Tage und bei Nacht!
Kontrast
Die Eine war die Freiheit, / Die Zweit' die Höferei; / Die Freiheit ließ er fahren, - / Ei, ei, die ließ er fahren! / Und schwur der Höferei.
Personifikation
Da kam der schwarze Satan, - / Ei, ei, der schwarze Satan! / Und packt ihn bei der Brust.
Wiederholung
Jetzt wollen wir mal singen / Das nagelneue Lied, / Von einem schmucken Junker, - / Ei, ei, vom schmucken Junker! / Der sich in Zwei verliebt.