Beständigkeit

Sigmund von Birken

1826

Feige Sinnen weiche sind, Weichen, wie von jedem Wind Wird ein Wetterhahn gedrehet. Großer Muth steht unverwandt, Fest gegründet auf Bestand, Den kein Nordensturm umwehet.

Laß die Wellen brausen her, Laß die Winde sausen sehr, Laß den heißen Mittag stechen: Unglück, Noth und Ungemach, Selbst der Tod ist viel zu schwach, Einen festen Muth zu brechen.

Wer den Dank erlaufen will, Muß durchaus nicht halten still, Bis er hat das Ziel erreichet. Kämpfen bringet keine Kron′, Wenn man eher läßt davon, Als der Feind bezwungen weichet.

Durch Bestand die Tugend wird In Vollkommenheit geführt, Eingepflanzt in das Gemüthe, Daß der Wille nichts mehr will, Als was dem Verstand gefiel, Tugend wallet im Geblüte.

Endlich doch behält Bestand Wohl vergnügt die Oberhand, Siehet seine Sorgenwende. Laß denn nichts dich führen ab, Denk′, daß nur Belohnung hab′, Wer beharret bis an′s Ende.

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Illustration zu Beständigkeit

Interpretation

Das Gedicht "Beständigkeit" von Sigmund von Birken thematisiert die Bedeutung von Standhaftigkeit und Mut im Angesicht von Widrigkeiten. Es betont, dass ein starker Wille und unerschütterlicher Mut unabhängig von äußeren Umständen wie Unglück, Not oder sogar dem Tod bestehen bleiben. Die Metapher des Wetterhahns, der sich mit jedem Wind dreht, steht im Kontrast zu der Standhaftigkeit des "großen Muthes", der fest auf Bestand gegründet ist und von keinem Sturm umweht wird. Der zweite Teil des Gedichts unterstreicht die Notwendigkeit, durchzuhalten und nicht aufzugeben, um das Ziel zu erreichen und Anerkennung zu erlangen. Es wird betont, dass der Kampf erst dann zu einem Sieg führt, wenn der Feind bezwungen ist und nicht vorher. Diese Ausdauer und Beharrlichkeit werden als Tugenden dargestellt, die durch Beständigkeit zur Vollkommenheit geführt werden. Abschließend vermittelt das Gedicht die Botschaft, dass Beständigkeit letztendlich belohnt wird und dass man durchhalten sollte, bis zum Ende. Es ermutigt dazu, sich nicht von Sorgen oder Hindernissen abbringen zu lassen und daran zu denken, dass nur diejenigen belohnt werden, die bis zum Schluss beharren.

Schlüsselwörter

laß bestand muth will tugend feige sinnen weiche

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Stilmittel

Appell
Laß denn nichts dich führen ab, Denk′, daß nur Belohnung hab′, Wer beharret bis an′s Ende.
Bildsprache
Endlich doch behält Bestand Wohl vergnügt die Oberhand, Siehet seine Sorgenwende.
Hyperbel
Unglück, Noth und Ungemach, Selbst der Tod ist viel zu schwach, Einen festen Muth zu brechen.
Kontrast
Kämpfen bringet keine Kron′, Wenn man eher läßt davon, Als der Feind bezwungen weichet.
Metapher
Durch Bestand die Tugend wird In Vollkommenheit geführt
Parallelismus
Wer den Dank erlaufen will, Muß durchaus nicht halten still, Bis er hat das Ziel erreichet.
Personifikation
Tugend wallet im Geblüte.