Beständigkeit im Wechsel

Joseph Christian von Zedlitz

1790

Pfeil nur, sagst du, kann verwunden Und wer berührt von ihm, den Strahl So recht in tiefster Brust empfunden, Der liebe nicht zum zweitenmal? –

Seht ihr denn nicht, in jedem Lenze Erwacht ein ganzes Blumenreich, Und allwärts schmücken frische Kränze, Die Flur, die erst vom Winter bleich.

Der Baum treibt seine Blätterwonne, Es glänzt das Laub, es schwillt die Frucht; Er hat des neuen Frühlings Sonne, Sie ihn mit gleicher Brunst gesucht.

Drum schmäht nicht, wenn in holdem Triebe Das Herz sich fühlt erfrischt und neu; Wie die Natur blieb es der Liebe, Wenn auch nicht dem Geliebten treu! –

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Illustration zu Beständigkeit im Wechsel

Interpretation

Das Gedicht "Beständigkeit im Wechsel" von Joseph Christian von Zedlitz beschäftigt sich mit dem Thema der Liebe und ihrer Fähigkeit, sich immer wieder neu zu entfalten. Der Dichter stellt die Frage, ob jemand, der einmal von der Liebe tief berührt wurde, nicht erneut lieben könne. Er argumentiert, dass die Liebe, ähnlich wie die Natur, einem ständigen Wechsel unterliegt und sich in jedem Frühling aufs Neue entfaltet. Der zweite Teil des Gedichts vergleicht die Liebe mit den Zyklen der Natur. So wie in jedem Frühling eine neue Blumenpracht erblüht und die Natur nach dem Winter wieder zum Leben erwacht, so kann auch die Liebe immer wieder neu entflammen. Der Baum, der im Frühling seine Blätter treibt und Früchte trägt, symbolisiert die beständige Erneuerung der Liebe. Im letzten Teil des Gedichts fordert der Dichter dazu auf, die Erneuerung der Liebe nicht zu verachten. Er vergleicht das Herz, das sich in der Liebe erfrischt und neu fühlt, mit der Natur. Die Liebe bleibt dem Herzen treu, auch wenn sie nicht immer dem gleichen geliebten Menschen gilt. Das Gedicht betont somit die Beständigkeit der Liebe in ihrem ständigen Wechsel und ihrer Erneuerung.

Schlüsselwörter

liebe pfeil sagst kann verwunden berührt strahl recht

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Stilmittel

Hyperbel
Die Flur, die erst vom Winter bleich
Kontrast
Wenn auch nicht dem Geliebten treu
Metapher
Wie die Natur blieb es der Liebe
Parallelismus
Es glänzt das Laub, es schwillt die Frucht
Personifikation
Die Flur, die erst vom Winter bleich