Besitz
1891Großer Garten liegt erschlossen, Weite schweigende Terrassen: Müßt mich alle Teile kennen, Jeden Teil genießen lassen!
Schauen auf vom Blumenboden, Auf zum Himmel durch Gezweige, Längs dem Bach ins Fremde schreiten, Niederwandeln sanfte Neige:
Dann erst komme ich zum Weiher, Der in stiller Mitte spiegelt, Mir des Gartens ganze Freude Träumerisch vereint entriegelt.
Aber solchen Vollbesitzes Tiefe Blicke sind so selten! Zwischen Finden und Verlieren müssen sie als göttlich gelten.
All in einem, Kern und Schale, Dieses Glück gehört dem Traum Tief begreifen und besitzen! Hat dies wo im Leben Raum?
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Interpretation
Das Gedicht "Besitz" von Hugo von Hofmannsthal beschreibt einen Garten als Symbol für die Sehnsucht nach vollständiger Erkenntnis und Erfahrung. Der Sprecher lädt ein, jeden Teil des Gartens zu erkunden und zu genießen, vom Blumenboden bis zum Himmel, entlang des Baches und über die sanften Neigungen. Erst wenn man den Weiher erreicht, der in stiller Mitte spiegelt, wird die ganze Freude des Gartens vereint und entschlüsselt. Der letzte Teil des Gedichts reflektiert über die Seltenheit eines solchen vollständigen Besitzes und Verständnisses. Die tiefen Blicke, die zwischen Finden und Verlieren entstehen, werden als göttlich bezeichnet. Das Glück, das darin besteht, den Kern und die Schale zugleich zu begreifen und zu besitzen, gehört dem Traum. Der Sprecher fragt sich, ob ein solcher Zustand jemals im wirklichen Leben möglich ist.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Schauen auf vom Blumenboden, Auf zum Himmel durch Gezweige
- Kontrast
- Zwischen Finden und Verlieren müssen sie als göttlich gelten
- Metapher
- All in einem, Kern und Schale
- Parallelismus
- Längs dem Bach ins Fremde schreiten, Niederwandeln sanfte Neige
- Personifikation
- Der in stiller Mitte spiegelt
- Rhetorische Frage
- Hat dies wo im Leben Raum?