Beschreibung vollkommener schönheit

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

1695

Ein haar so kühnlich trotz der Berenice spricht/ Ein mund/ der rosen führt und perlen in sich heget/ Ein zünglein/ so ein gifft vor tausend hertzen träget/ Zwo brüste/ wo rubin durch alabaster bricht/ Ein hals/ der schwanen-schnee weit weit zurücke sticht/ Zwey wangen/ wo die pracht der Flora sich beweget/ Ein blick/ der blitze führt und männer niederleget/ Zwey armen/ derer krafft offt leuen hingericht/ Ein hertz/ aus welchem nichts als mein verderben quillet/ Ein wort/ so himmlisch ist/ und mich verdammen kan/ Zwey hände/ derer grimm mich in den bann gethan/ Und durch ein süsses gifft die seele selbst umhüllet/ Ein zierrath/ wie es scheint/ im paradieß gemacht/ Hat mich um meinen witz und meine freyheit bracht.

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Illustration zu Beschreibung vollkommener schönheit

Interpretation

Das Gedicht "Beschreibung vollkommener Schönheit" von Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau beschreibt eine Frau, deren äußere Schönheit als vollkommen und fast göttlich dargestellt wird. Der Dichter verwendet eine Reihe von Metaphern und Vergleichen, um die verschiedenen Aspekte der Schönheit der Frau zu illustrieren. Ihr Haar wird als kühn und trotzig beschrieben, ihr Mund als Rosen tragend und Perlen enthaltend, ihre Zunge als giftig, ihre Brüste als rubinrot und alabasterweiß, ihr Hals als schneeweiß wie der eines Schwans, ihre Wangen als prachtvoll wie die der Flora, ihr Blick als blitzend und männermordend, ihre Arme als stark und ihre Hände als zärtlich und zugleich zerstörerisch. Die Beschreibung der Frau ist jedoch nicht nur positiv. Der Dichter betont auch ihre zerstörerische Kraft, die ihn um seinen Verstand und seine Freiheit gebracht hat. Ihr Herz wird als Quelle seines Verderbens beschrieben, ihre Worte als himmlisch und doch verdammen könnend, ihre Hände als zärtlich und doch bannend. Die Frau wird als eine Art Gift dargestellt, das seine Seele umhüllt und ihn in ihren Bann zieht. Das Gedicht endet mit einer Reflexion über die Macht der Schönheit. Der Dichter beschreibt die Frau als einen Schmuck, der im Paradies gemacht wurde, und betont, dass sie ihn um seinen Verstand und seine Freiheit gebracht hat. Dies deutet darauf hin, dass die Schönheit der Frau so überwältigend ist, dass sie den Dichter in einen Zustand der Verwirrung und des Verlustes versetzt hat. Das Gedicht ist ein Beispiel für die barocke Tradition, die Schönheit als etwas Göttliches und doch Gefährliches darstellt.

Schlüsselwörter

zwey führt gifft weit derer haar kühnlich trotz

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Stilmittel

Metapher
Ein zierrath/ wie es scheint/ im paradieß gemacht
Personifikation
Ein zünglein/ so ein gifft vor tausend hertzen träget
Vergleich
Ein hals/ der schwanen-schnee weit weit zurücke sticht