Beschränkung

Hedwig Lachmann

1919

Wie jene Frauen von einfältgem Sinn, Die so voll Demut ihren Gatten eigen Wie Mägde sind, und die sich von Beginn Bis an ihr Ende seinem Willen neigen,

Die, wie in Dumpfheit, ihre Liebe, drin Ihr Dasein eingeschlossen liegt, mit Schweigen, Wie bei dem Opferdienst die Priesterin, In Sorgfalt nur und treuem Tun bezeigen:

So ist mein ganzes Sein um dich gefaltet Und hat nach keinem Äussren mehr Bestreben, Als seien Ziel und Fernsicht ihm entschwunden

Und jede Sehnsucht fast in mir erkaltet: Und ist mir doch, ich sei, dir hingegeben, Der Welt und allem Menschenlos verbunden.

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Illustration zu Beschränkung

Interpretation

Das Gedicht "Beschränkung" von Hedwig Lachmann handelt von einer tiefen, selbstlosen Liebe, die sich in völliger Hingabe und Unterordnung unter den Geliebten äußert. Die lyrische Ich-Person vergleicht sich mit Frauen, die ihrem Ehemann demütig ergeben sind und dessen Willen von Anfang bis Ende folgen. Diese Frauen zeigen ihre Liebe durch stille, treue Fürsorge, ähnlich wie eine Priesterin bei einem Opferdienst. Die Liebe der lyrischen Ich-Person ist so intensiv, dass ihr gesamtes Sein sich um den Geliebten faltet. Sie strebt nach nichts Äußerem mehr und hat weder Ziel noch Fernblick. Ihre Sehnsucht ist fast erloschen, da sie sich vollkommen dem Geliebten hingegeben hat. Doch trotz dieser scheinbaren Beschränkung und Eingeschränktheit bleibt die lyrische Ich-Person weiterhin mit der Welt und dem Schicksal aller Menschen verbunden. Das Gedicht beschreibt eine paradoxe Situation: Die lyrische Ich-Person opfert ihre Individualität und Freiheit für die Liebe, fühlt sich aber dadurch nicht isoliert oder verengt. Vielmehr erfährt sie eine tiefere Verbundenheit mit dem Geliebten und der gesamten Menschheit. Die Liebe wird als erhebende, transzendente Kraft dargestellt, die über die persönliche Beschränkung hinausgeht und eine universelle Bedeutung annimmt.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Bildsprache
Und hat nach keinem Äussren mehr Bestreben, Als seien Ziel und Fernsicht ihm entschwunden
Gegensatz
Und ist mir doch, ich sei, dir hingegeben, Der Welt und allem Menschenlos verbunden
Metapher
Wie jene Frauen von einfältgem Sinn, Die so voll Demut ihren Gatten eigen Wie Mägde sind
Personifikation
Und jede Sehnsucht fast in mir erkaltet
Vergleich
Die, wie in Dumpfheit, ihre Liebe, drin Ihr Dasein eingeschlossen liegt, mit Schweigen