Bescheidenheit
1859Dringe Nachts am Sternenhimmel Scharf ins flimmernde Gewimmel Mit erfreuten Augen ein, Manches Sternlein wirst du finden, Und im Augenblick verschwinden Wird sein anspruchloser Schein.
Immer neue wird erreichen, Selbst in Mondeshof die bleichen, Deiner Blicke Adlerschwung, Aber alle, kaum gesehen, Werden wieder rasch verwehen, Spurlos in die Dämmerung.
Also wie am Sternenhimmel Forsch im menschlichen Getümmel, Aber suche scharf und gern, Und verwundert wirst zu zählen Tausend, tausend scheue Seelen, Aber jede ist ein Stern.
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Interpretation
Das Gedicht "Bescheidenheit" von Ludwig Eichrodt thematisiert die Vergänglichkeit und Bescheidenheit des Seins, sowohl im kosmischen als auch im menschlichen Bereich. Es vergleicht die Sterne am Nachthimmel mit den Menschen in der Gesellschaft und betont die Einzigartigkeit und Vergänglichkeit jedes Einzelnen. Der erste Teil des Gedichts beschreibt die Beobachtung des Sternenhimmels. Der Betrachter blickt in die Nacht und entdeckt unzählige Sterne, die in ihrer Bescheidenheit leuchten und wieder verschwinden. Diese Vergänglichkeit wird durch die Metapher des "anspruchslosen Scheins" verdeutlicht, der im Augenblick verschwindet. Die Sterne erreichen den Betrachter, aber kaum gesehen, verwehen sie wieder in die Dämmerung. Dies unterstreicht die Vergänglichkeit und Flüchtigkeit des Lebens. Der zweite Teil des Gedichts überträgt diese Beobachtung auf die menschliche Gesellschaft. Der Betrachter soll im menschlichen Getümmel forschen, aber suchen soll er scharf und gern. Hier werden die Menschen mit den Sternen verglichen, da auch sie in ihrer Einzigartigkeit und Vergänglichkeit leuchten. Der Betrachter wird erstaunt sein, wie viele schüchterne Seelen er entdeckt, aber jede einzelne ist ein Stern. Dies betont die Einzigartigkeit und den Wert jedes Einzelnen, auch wenn er im Getümmel der Gesellschaft untergehen mag. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine Botschaft der Bescheidenheit und des Respekts vor der Einzigartigkeit jedes Einzelnen. Es erinnert uns daran, dass wir alle vergänglich sind und dass jeder Mensch, wie jeder Stern, einen einzigartigen Glanz hat, der es wert ist, wahrgenommen und geschätzt zu werden.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- forschend, flimmernde, Forsch
- Hyperbel
- Adlerschwung
- Metapher
- Sternenhimmel als Vergleich für die menschliche Gesellschaft
- Parallelismus
- Und im Augenblick verschwinden / Wird sein anspruchloser Schein
- Personifikation
- Mondeshof
- Vergleich
- Aber jede ist ein Stern