Bescheid

Betty Paoli

unknown

»Was einst so heiß, so stürmisch mich durchbebt, »Die Wonnen, die mich himmelan getragen, »Das Weh, das glüh′nde Wunden mir geschlagen, »Wie ferne sind sie meinem Geist entschwebt!«

»Und waren′s Träume nur, die mich umwebt, »Dann hab′ ich wohl ein bitt′res Recht zu fragen: »Wenn mir von meines Lebens Lust und Klagen »Nichts bleiben soll, wozu hab′ ich gelebt?!« –

Das fragst du noch? So wisse denn! das Walten Von Glück und Leid hat nur den Zweck, den einen, Des Menschen tiefste Kräfte zu entfalten.

Mag dir auch der entschwund′nen Tage Saat Verloren, ohn′ Ertrag und Ernte scheinen: Du selbst bist deines Lebens Resultat!

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Interpretation

Das Gedicht "Bescheid" von Betty Paoli beschäftigt sich mit der Vergänglichkeit von Gefühlen und Erfahrungen im Leben und der Frage nach dem Sinn des Daseins. Die lyrische Ich-Erzählerin reflektiert über die Intensität vergangener Emotionen, die ihr nun wie ferne Erinnerungen erscheinen. Sie fragt sich, welchen Zweck ihr Leben hatte, wenn die Freuden und Leiden, die sie erlebt hat, letztlich keine bleibende Wirkung haben. Die Antwort auf diese existenzielle Frage findet sich in den letzten Strophen des Gedichts. Paoli deutet an, dass das Wechselspiel von Glück und Leid dazu dient, die tiefsten Kräfte des Menschen zu entfalten. Obwohl die Erfahrungen der Vergangenheit wie eine verlorene Saat ohne Ertrag erscheinen mögen, ist der Mensch selbst das Resultat seines Lebens. Die Erfahrungen formen und prägen die Persönlichkeit, auch wenn ihre unmittelbare Wirkung verblasst. Die abschließende Erkenntnis des Gedichts lautet, dass der Wert des Lebens nicht in den einzelnen Erfahrungen liegt, sondern in der Person, die man durch sie wird. Die Vergänglichkeit der Emotionen schmälert nicht den Sinn des Lebens, sondern ist ein Teil des Prozesses, der den Menschen formt und reifen lässt. Paoli vermittelt die Botschaft, dass der Sinn des Lebens in der persönlichen Entwicklung und im Werden liegt, nicht in der Anhäufung von Erfahrungen.

Schlüsselwörter

hab lebens einst heiß stürmisch durchbebt wonnen himmelan

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Stilmittel

Hyperbel
Was einst so heiß, so stürmisch mich durchbebt
Metapher
Die Wonnen, die mich himmelan getragen
Parallelismus
Wenn mir von meines Lebens Lust und Klagen Nichts bleiben soll, wozu hab' ich gelebt?!
Personifikation
Das Weh, das glühnde Wunden mir geschlagen
Rhetorische Frage
»Und waren's Träume nur, die mich umwebt, Dann hab' ich wohl ein bitteres Recht zu fragen: Wenn mir von meines Lebens Lust und Klagen Nichts bleiben soll, wozu hab' ich gelebt?!« –