Beruhigung
1790Du liebäugelst mit dem Tage, Doch wenn einst die Nacht wird kommen Und der Stern ist angeglommen, Der die Zier des Himmels macht;
Wenn ein wundersames Rauschen Lind in Deine Seele flüstert, Und Dein Auge sich umdüstert, Und Dein Blick in Thränen lacht;
Und wenn zaubervolle Stimmen Bang zugleich und lockend klingen, Unberührt die Schleifen springen An des jungen Busens Pracht;
Und die Sinne ruhn, die Seele Sich umkränzt mit Glorienscheine, Dann erkennst Du, liebe Kleine, Gluth, vom Himmel angefacht!
Und ein Strahl fällt in die Tiefen, Die Begierden werden schweigen, Und ein Bild vom Himmel steigen, Wie’s Dein Ahnen kaum gedacht.
Dann wird Dir des lauten Tages Buhlerischer Schein mißfallen, Dann in Wälder wirst Du wallen, Blau vom Aether überdacht.
Dann wird jedes Band sich lösen, Das jetzt Dein Gefühl umdunkelt, Jener Stern, der droben funkelt; Dein Geschick ist dann vollbracht!
O, dann wirst Du es erkennen, Was noch schläft in Deiner Seele; Fruchtlos ich Dir hier erzähle Das Geheimniß hehrer Nacht!
Und wenn dann mit allen Ranken Du Dich klammerst an den Trauten, Den die innern Augen schauten: Schirme Dich der Liebe Macht!
Und er denke Dich nicht schlimmer, Weil in ungeahnten Schlingen Jugend Dich und Arglist fingen, Und kein Engel Dich bewacht! –
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Interpretation
Das Gedicht "Beruhigung" von Joseph Christian von Zedlitz beschreibt eine poetische Reise durch die Nacht und die Erweckung der Seele. Es beginnt mit der Einladung, den Tag hinter sich zu lassen und sich der Nacht zu öffnen, in der ein Stern am Himmel leuchtet. Die Nacht wird als eine Zeit des Wunderbaren und des Flüsterns beschrieben, in der die Seele sich umkränzt mit Glorienscheine und die Sinne ruhen. Das Gedicht beschreibt dann den Prozess der Erkenntnis und der spirituellen Erleuchtung, die in der Nacht stattfindet. Ein Strahl fällt in die Tiefen der Seele und ein Bild vom Himmel steigt auf, das das Ahnen kaum gedacht hat. Die lauten Tage werden als unwichtig empfunden und die Sehnsucht nach der Natur und der Stille wird geweckt. Das Gedicht endet mit der Aufforderung, sich an den Trauten zu klammern und sich von der Liebe schützen zu lassen. Es wird betont, dass die Jugend und die Arglist, die einen gefangen genommen haben, nicht schlimmer sind als die Erleuchtung, die in der Nacht stattfindet. Das Gedicht beschreibt eine spirituelle Reise durch die Nacht und die Erweckung der Seele, die in der Liebe und der Natur ihre Erfüllung findet.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Und kein Engel Dich bewacht
- Personifikation
- Weil in ungeahnten Schlingen