Berückung
1863Und du kämest in mein Haus, kamst mit deinen schwarzen Blicken; sah ich ferne Palmen nicken, und du gabst mir deinen Strauß.
Gabst die zitternden Narzissen, die wir in der Wildnis pflückten; deine schwarzen Locken schmückten meines Diwans rote Kissen.
Kehre wieder in mein Haus, laß die wilden Blumen blühen! Unsre jungen Lippen glühen; gib mir, gib mir deinen Strauß!
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Interpretation
Das Gedicht "Berückung" von Richard Dehmel erzählt von einer intensiven, fast überwältigenden Begegnung zwischen zwei Menschen. Die Anwesenheit der Geliebten im Haus des Sprechers wird mit exotischen und sinnlichen Bildern beschrieben, wie dem Nicken ferner Palmen und dem Austausch eines Blumenstraußes. Die Atmosphäre ist erfüllt von einer Mischung aus Sehnsucht und Verführung. Die zweite Strophe vertieft die Intimität der Szene. Die zitternden Narzissen, die in der Wildnis gepflückt wurden, symbolisieren die Zerbrechlichkeit und die Leidenschaft der Liebe. Die schwarzen Locken der Geliebten, die die roten Kissen des Diwans schmücken, verstärken das Bild einer sinnlichen und exotischen Begegnung. Der Diwan, ein traditionelles Möbelstück, das oft mit orientalischer Lebensweise assoziiert wird, unterstreicht die exotische Stimmung des Gedichts. In der letzten Strophe wird die Wiederholung des Ankommens und die Aufforderung, die wilden Blumen blühen zu lassen, zu einer Art Mantra der Sehnsucht. Die "jungen Lippen", die glühen, und die erneute Bitte um den Blumenstrauß betonen die andauernde Leidenschaft und das Verlangen nach der Geliebten. Das Gedicht endet mit einem Appell, der die Intensität der Gefühle und die tiefe Verbundenheit zwischen den Liebenden zum Ausdruck bringt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Gib mir, gib mir deinen Strauß
- Bildsprache
- meines Diwans rote Kissen
- Metapher
- Kamst mit deinen schwarzen Blicken
- Personifikation
- sah ich ferne Palmen nicken
- Symbolik
- Narzissen, die wir in der Wildnis pflückten