Berückung
Und du kämest in mein Haus,
kamst mit deinen schwarzen Blicken;
sah ich ferne Palmen nicken,
und du gabst mir deinen Strauß.
Gabst die zitternden Narzissen,
die wir in der Wildnis pflückten;
deine schwarzen Locken schmückten
meines Diwans rote Kissen.
Kehre wieder in mein Haus,
laß die wilden Blumen blühen!
Unsre jungen Lippen glühen;
gib mir, gib mir deinen Strauß!
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Berückung“ von Richard Dehmel beschreibt die Intensität einer vergangenen Begegnung und die Sehnsucht nach ihrer Wiederholung. Es handelt von der unwiderstehlichen Anziehungskraft einer Person, dargestellt durch die „schwarzen Blicke“ und die Geste des Schenkens eines Blumenstraußes. Die erste Strophe etabliert die Szene, in der die Ankunft der Geliebten als ein berauschendes Ereignis geschildert wird, das fernöstliche Assoziationen (Palmen) weckt und eine Atmosphäre der Magie und Verzauberung schafft.
Die zweite Strophe vertieft das Gefühl der Verliebtheit und der Erinnerung an gemeinsame Erlebnisse. Die „zitternden Narzissen“ symbolisieren die Zartheit und Verletzlichkeit der Liebe, während die schwarzen Locken der Geliebten auf den roten Kissen eine sinnliche und leidenschaftliche Atmosphäre erzeugen. Die Bildsprache ist reich an Symbolik und vermittelt ein Gefühl von Aufregung und erotischer Anziehungskraft. Die Wahl der Farben, Schwarz für die Augen und Locken, Rot für die Kissen, verstärkt die Intensität der Emotionen.
Die letzte Strophe ist eine direkte und leidenschaftliche Bitte, die vergangene Erfahrung zu wiederholen. Die Wiederholung des Satzes „Kehre wieder in mein Haus“ und die Aufforderung, die Blumen erneut blühen zu lassen, unterstreichen die Sehnsucht nach der Rückkehr der Geliebten und dem Erleben der einst geteilten Gefühle. Die Zeile „Unsre jungen Lippen glühen“ deutet auf die jugendliche Leidenschaft und das Begehren nach körperlicher Nähe hin. Die wiederholte Bitte um den Strauß symbolisiert das Verlangen nach den gleichen Erlebnissen, der gleichen Zuneigung und dem gleichen Glück, das einst empfunden wurde.
Dehmel verwendet in diesem Gedicht eine einfache, aber eindringliche Sprache, um die starken Emotionen der Liebe und Sehnsucht auszudrücken. Die Verwendung von Bildern und Symbolen wie dem Blumenstrauß, den Farben und dem Haus macht das Gedicht lebendig und sinnlich. Die Struktur mit ihren klar abgegrenzten Strophen und dem abschließenden Appell verstärkt die Wirkung des Gedichts und macht es zu einer direkten und ergreifenden Darstellung der menschlichen Erfahrung der Liebe und des Verlustes.
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Lizenz und Verwendung
Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.