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Berthas Augen

Von

Vor dir verblasst des schönsten Augs Gefunkel,
Du Kinderblick, darin ein Rätsel ruht,
Ein Etwas, wie die Nacht so sanft und gut!
Ihr Augen, hüllt mich ein in euer Dunkel!

Ihr Kinderaugen gleicht dem Zauberschacht,
Zu euren letzten Tiefen dring′ ich nimmer,
Dahin, wo seltner Edelsteine Flimmer
von schlafbefangner Schatten Heer bewacht.

Mein Kind hat Augen dunkel, tief und weit,
Wie du unendlich, Nacht, und klar wie du!
In ihrem Glanz wohnt Leidenschaft und Ruh′,
Sprüht Lieb′ und Treue keusch und lustbereit.

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Gedicht: Berthas Augen von Charles-Pierre Baudelaire

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Berthas Augen“ von Charles-Pierre Baudelaire ist eine tiefgründige Auseinandersetzung mit der Faszination und dem Geheimnis, das von Kinderaugen ausgeht. Der Dichter adressiert die Augen seiner Tochter Bertha und vergleicht sie mit der Nacht, wobei er die Tiefe, das Geheimnisvolle und die Anziehungskraft hervorhebt, die von ihnen ausgehen. Die ersten vier Verse etablieren die zentrale Thematik, indem sie die Schönheit anderer Augen verblassen lassen und die einzigartige Qualität der kindlichen Augen hervorheben, die ein „Rätsel“ bergen und „sanft und gut“ wie die Nacht erscheinen. Der Dichter bittet die Augen, ihn in ihre „Dunkelheit“ einzuhüllen, was auf ein Gefühl der Geborgenheit und des Eintauchens in eine andere Welt hindeutet.

Die zweite Strophe vertieft die Metaphorik des Blicks. Berthas Augen werden mit einem „Zauberschacht“ verglichen, dessen Tiefen unergründlich bleiben. Der Dichter kann die „letzten Tiefen“ nicht erreichen, wo „seltner Edelsteine Flimmer“ von „schlafbefangner Schatten Heer bewacht“ werden. Diese Zeilen suggerieren eine unzugängliche, schatzreiche Innenschau, die mit kindlicher Unschuld und dem Geheimnis der Seele verbunden ist. Die Anspielung auf Edelsteine deutet auf die wertvollen, aber unzugänglichen Aspekte des kindlichen Wesens hin, die durch das Gedicht erforscht werden.

In der abschließenden Strophe konkretisiert Baudelaire seine Bewunderung für Berthas Augen. Sie sind „dunkel, tief und weit“, wie die Nacht, und zugleich „klar“. Diese Dualität spiegelt die Komplexität wider, die der Dichter in den Augen seiner Tochter wahrnimmt: die Tiefe und das Mysterium, kombiniert mit einer gewissen Klarheit und Unschuld. In ihrem Glanz wohnt sowohl „Leidenschaft“ als auch „Ruh’“, wobei „Lieb’ und Treue“ keusch und lustbereit sprühen. Dies deutet auf die widersprüchlichen Emotionen und die vielschichtige Natur der kindlichen Erfahrung hin, die der Dichter in den Augen seiner Tochter zu erkennen glaubt.

Insgesamt ist „Berthas Augen“ eine Hommage an die kindliche Unschuld und das Geheimnis, das in den Augen eines Kindes verborgen liegt. Baudelaire nutzt poetische Bilder wie die Nacht, den Zauberschacht und die Edelsteine, um die Faszination und die Unergründlichkeit des kindlichen Blicks auszudrücken. Das Gedicht ist ein Bekenntnis zur Schönheit und Tiefe der kindlichen Seele und ein Ausdruck der Sehnsucht nach dem Unbekannten, das in Berthas Augen widergespiegelt wird. Die Schlusszeilen betonen die widersprüchlichen Gefühle, die in Berthas Augen widergespiegelt werden und machen das Gedicht zu einer Betrachtung der Komplexität und des Reichtums der kindlichen Erfahrung.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.