Bernsteinfischerlied

Max von Schenkendorf

1783

Königsberg 1808.

Preis dem heil′gen Küstenhüter, Der die wunderbaren Güter Uns gereicht aus tiefer Flut! Bei dem ersten Morgenstrahle Füllen wir mit Gold die Schale, Schöpfen wir das Sonnengut.

Welch ein Reichthum! Welche Fülle! Bist uns nah in Geisterhülle, Heil′ger Vater Adalbert!

In das weite Meer versunken, Von den Wellen eingetrunken, Ist ein sel′ges altes Land. Fischer schaun es noch in Träumen, Tropfen von den Lebensbäumen Sammeln wir mit reiner Hand.

Alle treibt ein gläubig Sehnen, Und in schwachen Fischerkähnen Wagen wir die heil′ge Fahrt.

Muthig selbst auf Todeswegen Schiffen wir dem Licht entgegen Dürstend nach so hohem Preis. Werden wir hinabgezogen, Kühlet im Gezelt der Wogen Unsre Gluten goldnes Eis.

In der heil′gen Frühe kommen Unsre Güter angeschwommen, Licht und Wasser sind uns hold.

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Illustration zu Bernsteinfischerlied

Interpretation

Das Gedicht "Bernsteinfischerlied" von Max von Schenkendorf ist ein Loblied auf den Bernstein und die Menschen, die ihn suchen. Der Dichter preist den "heiligen Küstenhüter", der die "wunderbaren Güter" aus der Tiefe des Meeres zu den Menschen bringt. Der Bernstein wird als "Sonnengut" bezeichnet und mit Gold verglichen, was seinen Wert und seine Schönheit unterstreicht. Im zweiten Teil des Gedichts wird eine mystische Unterwasserwelt beschrieben, in der ein "seliges altes Land" versunken ist. Die Fischer träumen davon und sammeln Tropfen von den "Lebensbäumen". Der Dichter verwendet hier eine symbolische Sprache, die an die Suche nach dem Heiligen Gral erinnert. Die Fischer wagen sich mutig aufs Meer hinaus, um den Bernstein zu finden, obwohl sie dabei in Lebensgefahr geraten können. Im letzten Teil des Gedichts wird die Rückkehr der Fischer beschrieben. Ihre "Güter" sind angeschwommen und sie haben das "Licht und Wasser" auf ihrer Seite. Der Bernstein wird hier als etwas Göttliches dargestellt, das den Fischern Schutz und Segen bringt. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine tiefe Ehrfurcht vor der Natur und den Menschen, die in ihr arbeiten.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Muthig selbst auf Todeswegen
Anapher
Preis dem heil′gen Küstenhüter, / Der die wunderbaren Güter / Uns gereicht aus tiefer Flut!
Hyperbel
Welch ein Reichthum! Welche Fülle!
Metapher
Unsre Güter angeschwommen
Personifikation
Kühlet im Gezelt der Wogen / Unsre Gluten goldnes Eis
Symbolik
Heil′ger Vater Adalbert