Berlin
1848Wilde kriegerische Klänge Tönen in die Nacht hinaus, Schweigend harrt des Volkes Menge Vor dem königlichen Haus; Manches Auge blitzt in Thränen, Manche Faust ist wuthgeballt; Ob der frevelnden Gewalt Knirschen Kinder mit den Zähnen. Glimm′! o glimm, Heiliger Grimm!
Bleiches Mondlicht strahlt hernieder Auf die haßentbrannte Welt; - ′s ist derselbe Mond, ihr Brüder, Der die Märznacht einst erhellt; Kommt es heut zum Kugelregen: Hält der Tod sein Sichelfest, Und dem letzten Überrest Gibt das Fallbeil seinen Segen. - Noch ist von Groll Das Maaß nicht voll. -
Erst des Landes Stimme hören Will der friedliche Convent; Bald wird sich das Land empören Gegen Wrangels Regiment; Drum voran mit edlem Stolze, Bannerträger in Berlin! Mag der Thron in Flammen glühn! Denn er ist von faulem Holze. Freiheit und Glück Gibt Republik!
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Interpretation
Das Gedicht "Berlin" von Louise Franziska Aston ist ein aufwühlendes politisches Gedicht, das die Unzufriedenheit und den Widerstand des Volkes gegen das herrschende Regime zum Ausdruck bringt. Es zeichnet ein düsteres Bild der gesellschaftlichen Unruhen und der Sehnsucht nach Freiheit und Gerechtigkeit. Die erste Strophe beschreibt die angespannte Atmosphäre vor dem königlichen Palast, wo sich eine Menge Menschen versammelt hat. Die "wilden kriegerischen Klänge" deuten auf einen aufgebrachten Mob hin, der seinen Unmut lautstark zum Ausdruck bringt. Die Menschen sind emotional aufgewühlt, wie die "Augen, die in Thränen blitzt" und die "Faust, die wuthgeballt" ist, zeigen. Die Erwähnung der "frevlerischen Gewalt" und der "Zähneknirschenden Kinder" verdeutlicht die Unterdrückung und Ausbeutung, die das Volk erleidet. Die zweite Strophe setzt die düstere Stimmung fort und verwendet das Bild des "bleichen Mondlichts", das auf die "hassentbrannte Welt" fällt. Der Vergleich mit dem "Märznacht" erinnert an die Märzrevolution von 1848, die ebenfalls von Aufständen und Unruhen geprägt war. Die Erwähnung des "Kugelregens" und des "Fallbeils" deutet auf die gewaltsame Unterdrückung der Opposition und die Hinrichtung von Revolutionären hin. Die letzte Zeile der Strophe, "Noch ist von Groll das Maaß nicht voll", zeigt, dass die Unzufriedenheit des Volkes noch lange nicht befriedigt ist und weitere Unruhen bevorstehen könnten. Die dritte Strophe richtet den Blick in die Zukunft und prophezeit den Untergang der Monarchie und die Errichtung einer Republik. Die "Stimme des Landes" symbolisiert den Willen des Volkes, der vom "friedlichen Convent" zunächst nicht gehört wurde. Die Erwähnung des "Wrangels Regiment" deutet auf einen tyrannischen Herrscher hin, der das Volk unterdrückt. Die Aufforderung "Drum voran mit edlem Stolze" und der Aufruf zum Banner tragenden in Berlin zeigen den Mut und die Entschlossenheit des Volkes, für seine Rechte zu kämpfen. Die letzte Zeile des Gedichts, "Freiheit und Glück gibt Republik!", drückt die Hoffnung auf eine bessere Zukunft unter einer republikanischen Regierung aus.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Wilde kriegerische Klänge
- Bildsprache
- Bleiches Mondlicht strahlt hernieder Auf die haßentbrannte Welt
- Kontrast
- ′s ist derselbe Mond, ihr Brüder, Der die Märznacht einst erhellt
- Metapher
- Er ist von faulem Holze
- Personifikation
- Heiliger Grimm