Berglied
1759Am Abgrund leitet der schwindlichte Steg, Er führt zwischen Leben und Sterben! Es sperren die Riesen den einsamen Weg Und drohen dir ewig Verderben. Und willst du die schlafende Löwin nicht wecken, So wandle still durch die Straße der Schrecken.
Es schwebt eine Brücke, hoch über den Rand Der furchtbaren Tiefe gebogen, Sie ward nicht erbauet von Menschenhand, Es hätte sich′s Keiner verwogen, Der Strom braust unter ihr spat und früh, Speit ewig hinauf, und zertrümmert sie nie.
Es öffnet sich schwarz ein schauriges Tor, Du glaubst dich im Reiche der Schatten, Da tut sich ein lachend Gelände hervor, Wo der Herbst und der Frühling sich gatten; Aus des Lebens Mühen und ewiger Qual Möcht′ ich fliehen in dieses glückselige Tal!
Vier Ströme brausen hinab in das Feld, Ihr Quell, der ist ewig verborgen; Sie fließen nach allen vier Straßen der Welt, Nach Abend, Nord, Mittag und Morgen, Und wie die Mutter sie rauschend geboren, Fort fliehn sie und bleiben sich ewig verloren.
Zwei Zinken ragen ins Blaue der Luft, Hoch über der Menschen Geschlechter, Drauf tanzen, umschleiert mit goldenem Duft, Die Wolken, die himmlischen Töchter. Sie halten dort oben den einsamen Reihn, Da stellt sich kein Zeuge, kein irdischer, ein.
Es sitzt die Königin hoch und klar Auf unvergänglichem Throne, Die Stirn umkränzt sie sich wunderbar Mit diamantener Krone; Darauf schießt die Sonne die Pfeile von Licht, Sie vergolden sie nur und erwärmen sie nicht.
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Interpretation
Das Gedicht "Berglied" von Friedrich von Schiller beschreibt eine Reise durch eine gefährliche und geheimnisvolle Berglandschaft. Der erste Teil des Gedichts schildert die bedrohliche Umgebung, in der der Reisende auf schwindelerregenden Pfaden und zwischen gefährlichen Hindernissen wie schlafenden Löwen navigieren muss. Die Brücke, die über eine tiefe Schlucht führt, symbolisiert die Herausforderungen und Risiken, die auf dem Weg liegen. Trotz der Gefahr bleibt die Brücke unzerstört, was auf eine gewisse Beständigkeit und Hoffnung hindeutet. Im zweiten Teil des Gedichts öffnet sich ein dunkles Tor, das den Eindruck erweckt, in das Reich der Schatten zu führen. Doch dahinter offenbart sich ein paradiesisches Tal, in dem Frühling und Herbst sich vereinen. Dieses Tal symbolisiert einen Ort der Ruhe und des Glücks, an dem man den Mühen und Qualen des Lebens entfliehen kann. Die vier Ströme, die in verschiedene Himmelsrichtungen fließen, stehen für die Vielfalt und den unaufhaltsamen Lauf des Lebens, das sich ständig verändert und doch ewig bleibt. Der letzte Teil des Gedichts beschreibt zwei Zinken, die in den Himmel ragen, wo sich die Wolken, die "himmlischen Töchter", bewegen. Auf einem unzerstörbaren Thron sitzt eine Königin, die von einer diamantenen Krone umgeben ist. Die Sonne schießt ihre Lichtpfeile auf die Krone, die sie nur vergoldet, aber nicht erwärmt. Dies könnte die Idee einer ewigen, unberührten Schönheit und Macht symbolisieren, die über den menschlichen Einflüssen steht. Das Gedicht endet mit einer mystischen und erhabenen Atmosphäre, die den Leser in eine Welt der Fantasie und des Staunens entführt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Darauf schießt die Sonne die Pfeile von Licht
- Personifikation
- Die Stirn umkränzt sie sich wunderbar