Bekenntnis

Richard Dehmel

1920

Ich will ergründen alle Lust, so tief ich dürsten kann; ich will sie aus der ganzen Welt schöpfen, und stürb ich dran.

Ich will′s mit all der Schöpferwut, die in uns lechzt und brennt; ich will nicht zähmen meiner Glut heißhungrig Element.

Ward ich durch frommer Lippen Macht, durch zahmer Küsse Tausch? Ich ward erzeugt in wilder Nacht und großem Wollustrausch!

Und will nun leben so der Lust, wie mich die Lust erschuf. Schreit nur den Himmel an um mich, ihr Beter von Beruf!

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Illustration zu Bekenntnis

Interpretation

Das Gedicht "Bekenntnis" von Richard Dehmel ist ein leidenschaftliches Plädoyer für ein ungezügeltes Leben voller Lust und Genuss. Der Sprecher betont, dass er alle Freuden, so tief er nur kann, ergründen und aus der ganzen Welt schöpfen möchte, selbst wenn es ihn das Leben kosten sollte. Er will seine Schöpferwut und seine brennende Leidenschaft nicht zähmen, sondern im Gegenteil die heißhungrigen Elemente seiner Natur voll ausleben. In der zweiten Strophe fragt der Sprecher, ob er durch fromme Lippen und zahme Küsse Macht erlangt habe. Doch er verneint dies und erklärt, dass er in wilder Nacht und in einem großen Wollustrausch erzeugt wurde. Dies unterstreicht die ursprüngliche, wilde und leidenschaftliche Natur des Sprechers, die er nicht unterdrücken möchte. In der letzten Strophe bekennt der Sprecher, dass er nun so leben möchte, wie ihn die Lust erschaffen hat. Er fordert die frommen Betenden auf, den Himmel um ihn anzuschreien, denn er wird seinen Weg gehen und seine Lust und Leidenschaft voll ausleben, unabhängig von den moralischen oder religiösen Konventionen. Das Gedicht ist eine kraftvolle Aussage für ein Leben in vollen Zügen, das die eigenen Triebe und Leidenschaften nicht unterdrückt, sondern in ihrer ganzen Intensität auslebt.

Schlüsselwörter

will lust ward ergründen alle tief dürsten kann

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
wilder Nacht und großem Wollustrausch
Apostrophe
Schreit nur den Himmel an um mich, ihr Beter von Beruf!
Metapher
Metapher
Personifikation
die in uns lechzt und brennt
Rhetorische Frage
Ward ich durch frommer Lippen Macht, durch zahmer Küsse Tausch?