Beim Abschied
unbekanntWirst Du in der Ferne mein gedenken, Wenn die Welt geräuschvoll Dich zerstreut? Wirst Du oft mir stille Stunden schenken, Der Erinnrung unsres Glücks geweiht?
Wird kein neues Band mir Dein Vertrauen, Keines Deine Liebe mir entziehn? Kann ich ganz auf Deine Treue bauen, O so nimm mein Herz auf ewig hin!
Immer bleibt es zärtlich Dir ergeben, Auch wenn nie mein Blick Dich wiedersieht. Wenn getrennt von Dir mein trübes Leben Wie ein Seufzerhauch vorüber flieht.
Ach so viele heucheln nur Gefühle Einer nie gekannten Innigkeit; Und in dem zerstreuenden Gewühle Endet schnell der Schwur der Ewigkeit.
Darum will ich nicht Dir Treue schwören, Aber fest und liebend halt′ ich sie, Und die Zukunft soll Dir ewig lehren Deiner Freundin Herz vergisst Dich nie.
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Interpretation
Das Gedicht "Beim Abschied" von Charlotte von Ahlefeld thematisiert die Zweifel und Ängste, die beim Abschied von einem geliebten Menschen entstehen können. Die lyrische Ich-Figur fragt sich, ob der oder die Geliebte in der Ferne an sie denken wird und ob die gemeinsame Zeit in Erinnerung bleiben wird. Sie befürchtet, dass neue Bande das Vertrauen und die Liebe des Partners oder der Partnerin zu ihr untergraben könnten. Die lyrische Ich-Figur drückt ihre tiefe Verbundenheit aus, indem sie dem oder der Geliebten ihr Herz für immer schenkt. Sie betont, dass ihre Zärtlichkeit und Hingabe auch dann bestehen bleiben, wenn sie sich nie wiedersehen. Die Vorstellung eines trüben Lebens ohne den oder die Geliebte, das wie ein Seufzerhauch vergeht, unterstreicht die Intensität ihrer Gefühle. Ahlefeld kritisiert in ihrem Gedicht die Oberflächlichkeit und Heuchelei in Beziehungen. Sie stellt fest, dass viele Menschen nur vorgaukeln, tiefe Gefühle zu empfinden, ohne sie jemals wirklich gekannt zu haben. In der hektischen Welt verflüchtigt sich schnell der Schwur ewiger Liebe. Daher schwört die lyrische Ich-Figur nicht explizit Treue, sondern hält sie fest und liebend. Sie hofft, dass die Zukunft beweisen wird, dass ihr Herz den oder die Geliebte niemals vergessen wird.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Und in dem zerstreuenden Gewühle Endet schnell der Schwur der Ewigkeit
- Kontrast
- Ach so viele heucheln nur Gefühle Einer nie gekannten Innigkeit
- Metapher
- Wenn die Welt geräuschvoll Dich zerstreut
- Personifikation
- Wenn getrennt von Dir mein trübes Leben Wie ein Seufzerhauch vorüber flieht
- Rhetorische Frage
- Wirst Du in der Ferne mein gedenken, Wenn die Welt geräuschvoll Dich zerstreut? Wirst Du oft mir stille Stunden schenken, Der Erinnrung unsres Glücks geweiht?