Bei Ueberreichung einer Turnerfahne

Luise Büchner

1877

Hoch empor in blaue Lüfte, Turner, laßt die Fahne wehen, Hebt sie auf, daß weithin Alle Ihre hohe Deutung sehen: Wie ein Adler drauf erhebet Sich zur Sonne stolz und groß, Daß: und und Ist des Turners hohes Loos.

und und und , Was tiefen Worte künden, Diesen stolzen Sinn zu wahren Woll′t euch, Turner, treu verbünden; Vor den Augen deutscher Frauen, Die euch heut′ die Fahne weih′n, Schwöret Alle sie zu wahren Unverfälschet, treu und rein!

, wie aus dem Felsenmunde Sich ein kühler Quell ergießet, Die Ermatteten zu trösten Durch versengte Thäler fließet, Also frisch zu jedem Werke, zu jeder ächten That Sei der Turner, doch vor allem, Wo die Freiheit flehend naht.

, so heißt das Sprüchlein weiter, Aber nach rechter Weise, Nicht ein Beter nur und Heuchler In der Pharisäer Kreise, Das Gesetz der Bruderliebe Sei des Turners höchste Lehre - Schaut euch um im deutschen Lande Von den Alpen bis zum Meere,

Korn und Wein auf allen Fluren, Eisen in der Berge Schachten, Stolze Wälder, reiche Wiesen - Und so viele doch, die schmachten! Daß hinfort die deutsche Erde ihren Segen spende, Darum fromm zu jedem Opfer, Das der Menschheit frommen könnte!

ist der Worte drittes, seid vor allen Dingen, Wo der volle Becher kreiset, Wo sich muntre Paare schwingen Bei Gesang und heitern Scherzen. Doch das starke Turnerherz Trage willig, frohen Muthes Auch des Lebens herbsten Schmerz.

, so endet sich das Sprüchlein - Und die Herzen hör′ ich schlagen, Und die Augen seh′ ich flammend Zu dem Adler aufgeschlagen! stolz und kräftig Jede deutsche Brust durchbebet, Aecht und unverfälscht vor allem In des Turners Seele lebet:

Daß hinfort aus deutscher Erde Eine stolze Eiche steige, Deren grüne Blätterkrone Ueber alle Lande reiche, Deren Stamm sich ungespalten Heb′ empor, freier Mann, Weil die hohe, heil′ge Freiheit Nur in Einheit wurzeln kann.

Bis dies hohe Ziel errungen, , raste nimmer, Sieh, durch dunkle Wetterwolken Leuchtet hell der Zukunft Schimmer, Bis die deutsche Eiche grünet, Bis im Staub die Feinde liegen, Laßt zu jedem rechten Streite Euch voran die Fahne fliegen!

Folgt ihr, wo es gilt zu schützen Hof und Herd mit frohem Muthe, Folgt ihr, wenn die junge Freiheit Heischt von eurem bestem Blute: Darum weiht euch diese Fahne Eurer deutschen Schwestern Hand, auch fühlen, sie auch leben Für′s geliebte Vaterland!

Aber, wenn die Schlacht geschlagen, Wenn sie steht, die stolze Eiche, Hänget dann die treue Fahne Auf an einem grünen Zweige, Als ein Zeichen, daß die Deutung Eures Spruchs erfüllet sei: Daß nun jede deutsche Seele und , und !

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Illustration zu Bei Ueberreichung einer Turnerfahne

Interpretation

Das Gedicht "Bei Ueberreichung einer Turnerfahne" von Luise Büchner ist ein patriotisches Werk, das die Ideale und Werte des Turnens und der deutschen Einheit besingt. Die Turnerfahne wird als Symbol für Freiheit, Einigkeit und Brüderlichkeit dargestellt, wobei der Adler als Wappentier für den aufstrebenden Geist der Turner steht. Die Fahne soll als sichtbares Zeichen der hohen Ziele und des gemeinsamen Schwurs der Turner dienen, die sich vor den Augen der deutschen Frauen, die die Fahne weihen, zu Treue und Reinheit verpflichten. Im weiteren Verlauf des Gedichts werden die Tugenden und Pflichten der Turner thematisiert. Sie sollen wie ein erfrischender Quell sein, der die Ermatteten tröstet und durch versengte Täler fließt. Die Turner werden aufgefordert, frisch und kräftig zu jedem Werk und jeder Tat zu sein, besonders dort, wo die Freiheit flehend naht. Die Brüderliebe wird als höchste Lehre der Turner beschworen, und sie werden dazu aufgerufen, sich um das Wohl des deutschen Volkes zu kümmern, das trotz reicher Ernte und Ressourcen auch Not und Armut kennt. Das Gedicht schließt mit einem Aufruf zur Ausdauer und zum gemeinsamen Kampf für die deutsche Einheit und Freiheit. Die Turner werden ermutigt, bis zum Erreichen des hohen Ziels nicht zu ruhen und der Fahne in jedem gerechten Streit voranzugehen. Sie sollen sowohl in der Freude als auch im Leid stark sein und die Fahne als Symbol ihrer Verbundenheit und ihres Einsatzes für das Vaterland hochhalten. Am Ende des Kampfes, wenn die deutsche Eiche, ein Symbol für die starke und vereinte Nation, steht, soll die Fahne an einem grünen Zweig als Zeichen der Erfüllung der hohen Ziele aufgehängt werden.

Schlüsselwörter

fahne deutsche turner alle hohe turners jedem freiheit

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Stilmittel

Allegorie
Daß hinfort aus deutscher Erde / Eine stolze Eiche steige
Anapher
und und und
Appell
Turner, laßt die Fahne wehen
Bildsprache
Korn und Wein auf allen Fluren, / Eisen in der Berge Schachten, / Stolze Wälder, reiche Wiesen
Enjambement
Daß: und und / Ist des Turners hohes Loos.
Hyperbel
Ueber alle Lande reiche
Metapher
Wie ein Adler drauf erhebet / Sich zur Sonne stolz und groß
Personifikation
Turner, laßt die Fahne wehen
Symbolik
eine stolze Eiche steige
Vergleich
wie aus dem Felsenmunde / Sich ein kühler Quell ergießet